UAS-Einsatz für vertikale Wetterprofile


Die atmosphärische Grenzschicht reicht bis in eine Höhe von etwa 2.000 Metern über dem Erdboden und umfasst damit nur einen vergleichsweise kleinen Teil der Erdatmosphäre. Doch ihr Einfluss auf die Entwicklung lokaler Wetterphänomene bis hin zu Extremereignissen wie Wirbelstürmen ist groß. Um die Vorbereitungen auf Tornados und schwere Gewitter zu optimieren, setzt der National Weather Service im US-Bundesstaat Oklahoma künftig auf Meteodrones des schweizer Unternehmens Meteomatics.
Traditionell basieren Wettervorhersagen vor allem auf Daten, die mithilfe eines dichten Netzes bodenbasierter Messstationen erhoben werden. Ergänzt werden diese durch klassische Wetterballons, die Erkenntnisse aus höheren Luftschichten liefern sollen. Doch von einem wirklich belastbaren vertikalen Wetterprofil kann auf diese Weise keine Rede sein. Im Gegenteil. Gerade in der für klimatische Veränderungen so bedeutenden Luftschicht bis in wenige tausend Meter Höhe besteht eine Messlücke. Mit den eigens dafür konzipierten Metedrones hat das Schweizer Unternehmen Meteomatics eine Technologie entwickelt, mit der regelmäßig auf definierten Flugbahnen höhenreferenzierte Daten zu Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windgeschwindigkeit gesammelt werden können. Und das bis in 6.000 Meter Höhe.
Bessere Daten, frühere Warnungen
Die auf diese Weise entstehenden zusätzlichen Möglichkeiten zur Wetterbeobachtung und -prognose sollen nun in Oklahoma strukturiert genutzt werden. Genau wie Kansas, Missouri, Nebraska, South Dakota und das nördliche Texas liegt der US-Bundesstaat in der sogenannten „Tornado Alley“, in der es vergleichsweise häufig zu schweren Wirbelstürmen und starken Gewittern kommt. „Tornados bilden sich in den untersten wenigen Tausend Fuß der Atmosphäre. Die Drohnen liefern dort genau jene zusätzlichen Beobachtungen, die Wettermodelle für kurzfristige und lokale Prognosen benötigen“, erklärt Brad Guay, Leiter Government & Defense Solutions bei Meteomatics. „Je mehr Daten wir haben, desto besser können Wettermodelle werden und desto früher lassen sich Warnungen vor Tornados, Hurricanes oder Winterstürmen ausgeben.”

Die Meteodrone von Meteomatics ist dafür entwickelt worden, Wetterdaten aus den unteren Schichten der Erdatmosphäre zu sammeln
Ein Team der Oklahoma State University ist für die Erhebung der Daten per Meteodrone verantwortlich, die gemeinsam mit den Informationen der bodengebundenen Messstationen in Oklahoma im Rahmen des National Mesonet Program in die Wetterbeobachtung der staatlichen NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) einfließen. Das Mesonet-Programm ist gewissermaßen ein landesweites Netzwerk aus verschiedenen regionalen Netzwerken. Mesonet ist ein Kunstwort aus „Mesoskala“ und „Netzwerk“, wobei man unter Mesoskala Wettersysteme mit einer horizontalen Ausdehnung von einigen Kilometern bis zu wenigen hundert Kilometern versteht. Im „Oklahoma 3D Mesonet“ tragen die Drohnen aus der Schweiz dazu bei, neben der horizontalen künftig auch die vertikale Dimension besser analysieren zu können.
Wetterdaten mit vielfältigen Nutzen
Eine Strategie, die in anderen Teilen der Welt ebenfalls Vorteile bieten könnte, um die sich als Folge des Klimawandels häufenden und zusehends lokal begrenzten Extremwetterereignisse besser vorhersagen und effizientere Präventions- und Schutzmaßnahmen ergreifen zu können. „Unsere Meteodrones ergänzen die Wettervorhersage mit bislang nicht verfügbaren Daten und helfen so, Länder und Regionen besser vorzubereiten und zu schützen. Genau dafür wurden sie entwickelt“, erläutert Dr. Martin Fengler, Gründer und CEO von Meteomatics. „Unser Ziel ist es, vertikale Messungen der Atmosphäre künftig ähnlich regelmässig verfügbar zu machen wie Messungen von Bodenstationen.”

Dank einer durch Drohnennutzung optimierten Datenbasis lassen sich präzisere und geographisch kleinteiligere Wetterprognosen erstellen
Je präziser und vor allem kleinteiliger sich Wetterveränderungen, Wolkendecken oder Nebelbänke vorhersagen lassen, desto besser könnte man sich diese neue Qualität in der Wettervorhersage zunutze machen. Nicht nur zur Vorbereitung auf Katastrophenszenarien, sondern beispielsweise auch zur Effizienzsteigerung in der Energieversorgung durch große Solarparks. Denn wo aufgrund äußerer Bedingungen schwankende Photovoltaikleistungen exakter zu prognostizieren sind, können sich Netzbetreiber und Energiekonzerne auf Lastspitzen vorbereiten und gegebenenfalls an anderer Stelle – zum Beispiel in der Windkraft – die produzierte Energiemenge drosseln. Oder eben auch andersherum.
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