Vollautomatischer „Hub-to-Hub“-Transport per Drohne


Dass unbemannte Flugsysteme Dinge transportieren können, ist keine Neuheit mehr. In vielen Fällen ist jedoch weniger klar, wie UAS effizient und ohne Zusatzaufwand in bestehende Logistiknetzwerke integriert werden können. Das Medizinische Versorgungszentrum für Labormedizin und Mikrobiologie Ruhr (mvzlm Ruhr), das St. Josef-Krankenhaus und der Drohnenbetreiber Urban Ray haben nun in Essen ein System demonstriert, mit dem Flüge auf Knopfdruck zum Alltag werden können.
Proben werden entnommen, verpackt, per Kurierfahrzeug transportiert und von einem externen Dienstleistungsunternehmen analysiert. Denn den „Luxus“ eines eigenen Labors können sich längst nicht (mehr) alle Krankenhäuser leisten. Soweit, so bekannt. Genauso bekannt sind aber auch die damit verbundenen Schwierigkeiten, vom Personalmangel bis hin zu Zeitverzögerungen durch Staus und verstopfte Straßen. Die Luftlinie bietet hier naturgemäß einige Vorteile, doch abgesehen von regulatorischen Herausforderungen sind an dieser Stelle auch ganz handfeste Fragen des Handlings zu klären. Denn auch wenn der Flug vollautomatisiert erfolgt, muss die Infrastruktur geschaffen und das Personal vor Ort im Umgang mit der Drohne geschult werden.
Vollautomatisierter Betrieb, vorprogrammierter Kurs
Ein Verfahren, mit dem die „Berührungspunkte“ zwischen Krankenhaus- und Laborpersonal auf der einen Seite sowie der Drohne auf der anderen Seite auf Null minimiert werden können, hat das Startup Urban Ray entwickelt. Sowohl am Start- als auch am Zielort – oder an mehreren Start- und Zielorten – werden Drohnenhubs platziert. Die Mitarbeitenden vor Ort geben die Ladung über eine Öffnung in den Hub, die konkrete Be- und Entladung der Drohne erfolgt vollautomatisiert im Inneren der „Packstation“. Die Folge: Das Personal kommt nicht in direkten Kontakt mit dem UAS, benötigt lediglich einen Transponder, um die Ladeklappe zu öffnen und den Transport per Knopfdruck beauftragen zu können. Der Flug selbst erfolgt vollautomatisiert auf einem vorprogrammierten Kurs und wird von speziell qualifiziertem Personal aus einem Leitstand heraus überwacht.

In Essen wurde über eine Woche demonstriert, wie sich Drohnen in moderne Logstiknetzwerke integrieren lassen
„Wir fliegen nicht zum Beweis, dass Drohnen fliegen können, das können sie schon lange. Wir fliegen, weil es für das Labor und das Krankenhaus schlicht der beste Weg ist, Proben zu transportieren“, betont Cem Uyanik, Geschäftsführer der Urban Ray GmbH mit Blick auf die erfolgreiche Testwoche in Essen. Und geht es nach Cem Uyanik und seinen Kolleginnen und Kollegen, macht das Ganze nicht „nur“ im Bereich der medizinischen Transporte Schule. Denn das Ganze lässt sich natürlich auch in andere Wirtschaftszweige integrieren, in denen es auf schnelle und effiziente Transporte ankommt.
Doppelt so schnell wie per Pkw
Dass die von Urban Ray entwickelte Technologie dafür gut geeignet ist und sich in bestehende Logistiknetzwerke integrieren lässt, wurde in einem einwöchigen Test im Essener Stadtteil Kupferdreh unter Realbedingungen erprobt. Zwischen dem St. Josef-Krankenhaus und dem Medizinischen Versorgungszentrum für Labormedizin und Mikrobiologie Ruhr liegen etwa 8 Kilometer Luftlinie, die die Urban Ray-Drohne bei einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 70 Kilometern pro Stunde in wenigen Minuten absolvierte.

Am Ende einer gelungenen Testwoche zeigten sich die Beteiligten hochzufrieden mit den erzielten Ergebnissen
So ist es möglich, bis zu 6 Kilogramm an Blut-, Urin- und Gewebeproben etwa doppelt so schnell ins Labor zu bringen, wie es per Pkw und unter optimalen Verkehrsbedingungen möglich ist. „Als Krankenhaus wollen wir unseren Patientinnen und Patienten die bestmögliche Versorgung bieten. Schnellere Befunde sind dabei ein echter klinischer Vorteil. Die Woche hat gezeigt, welches Potenzial in der Verbindung von medizinischer Versorgung und innovativer Technologie liegt“, betont Peter Berlin, Geschäftsführer der Katholische Kliniken Ruhrhalbinsel gGmbH.
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