Emissionsfreier Flug um die Welt mit Wasserstoffantrieb


Wer Wind- und Wetterverhältnisse zu lesen weiß, kann nicht nur sicher, sondern auch besonders energieeffizient unterwegs sein. Fähigkeiten, auf die es beim Projekt „Climate Impulse“ in höchstem Maße ankommt. Das Ziel ist die erste emissionsfreie Non-Stop-Weltumrundung mit einem wasserstoffbetriebenen Flugsystem. Für die optimale Missionsplanung sowie -überwachung soll Unisphere verantwortlich zeichnen und die Software zur automatisierten Flugplanung und zum Wetterrisikomanagement bereitstellen.
Weltumrundungen sind offenbar sein Ding. 1999 gelang Bertrand Piccard zusammen mit dem Briten Brian Jones die erste Nonstop-Weltumrundung mit einem Ballon. 2016 war der Schweizer Piccard einer der Piloten, denen mit der „Solar Impulse“ erstmals ein Flug um den Erdball mit einem Solarflugzeug gelang. Während vor zehn Jahren teilweise lange Pausen zwischen den einzelnen Etappen eingelegt werden mussten, soll das wasserstoffbetriebene Flugzeug „Climate Impulse“ nun die erste emissionsfreie Nonstop-Weltumrundung der Luftfahrtgeschichte schaffen.

Bertrand Piccard (rechts) und Raphaël Dinelli sind die treibenden Kräfte hinter dem ambitionierten „Climate Impulse“-Projekt (Foto: Climate Impulse)
Wie schon beim weltweit beachteten Projekt „Solar Impulse“ setzen Piccard und sein aktueller Projektpartner Raphaël Dinelli dabei auf Knowhow aus der unbemannten Luftfahrt. Denn wie damals wird erneut das in Konstanz am Bodensee beheimatete Unternehmen Unisphere für die Flugplanung und das Wetterrisikomanagement verantwortlich sein.
Automatisierte Missionsplanung per Softwarelösung
Während vor zehn Jahren noch mehrere Teams die erforderlichen Daten zur Wetterentwicklung und möglichen Einschränkungen im Luftverkehr sowie zur Performance des Flugzeugs und insbesondere zu Fragen des Energiemanagements sammelten, analysierten und schlussendlich zu einem gemeinsamen Lagebild zusammenführten, soll das Ganze nun weitgehend automatisiert ablaufen. Denn genau das ist es, was Unisphere mit der Plattform Nova anbietet, um UAS, eVTOLs und andere innovative Flugsysteme sicher betreiben zu können.

Die zwei großen Rümpfe sollen vor allem Platz für Wasserstofftanks bieten, in der Mitte der Konstruktion befindet sich das Cockpit (Foto: Anthony Beranger / Climate Impulse)
„Die Arbeit an Solar Impulse war eine einmalige Erfahrung“, erinnert sich Christoph Schlettig, CEO von Unisphere. „Die Mission hat unsere Denkweise zur Flugplanung grundlegend verändert. Jede operative Erkenntnis, die wir gewonnen haben – vom Energiemanagement bis hin zu wetterbedingten Entscheidungen –, ist in die Software eingeflossen, die wir heute entwickeln. Es ist unglaublich erfüllend zu sehen, wie dieses Wissen nun Climate Impulse unterstützt.“
Mithilfe digitaler Zwillinge des Flugzeugs, hochauflösender Wettervorhersagen und fortschrittlicher Optimierungsalgorithmen bewertet die Unisphere-Software fortlaufend, wie sich interne und externe Faktoren auf Flugzeugleistung, Energieverbrauch, Routenführung und die allgemeine Sicherheit der Mission auswirken, und ermöglicht so eine Echtzeit-Optimierung der Flugpläne.

Für das Unisphere-Team um Christoph Schlettig, Christoph Selig, Michael Anger (v.l.n.r.) schließt sich mit „Climate Impulse“ ein Kreis (Foto: Unisphere)
„Climate Impulse führt eine völlig neue, auf Wasserstoff basierende Antriebstechnologie ein, die ganz eigene operative Herausforderungen mit sich bringt“, erklärt Michael Anger, CTO von Unisphere. „Unsere Software analysiert kontinuierlich die Auswirkungen des Wetters auf Flugzeugleistung und Energieverbrauch und hilft dabei, über den gesamten Missionsverlauf hinweg das sicherste und energieeffizienteste Flugprofil zu ermitteln.“
Test- und Erprobungsmissionen für das Projekt, das unter offizieller Schirmherrschaft der EU-Kommission steht, sollen in diesem Jahr anlaufen. Die tatsächliche Weltumrundung ist für 2030 geplant.
Hauptbild: Anthony Beranger / Climate Impulse
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