In zwei Jahren von der Nebenrolle zum Hauptdarsteller - Drones
Kanzler, Käfig, Kooperationen: Wie UAS der ILA 2026 ihren Stempel aufdrücken

In zwei Jahren von der Nebenrolle zum Hauptdarsteller

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    Der Kanzler hieß Olaf Scholz und Lilium war der größte Aussteller aus dem Bereich der UAS- und AAM-Industrie. Was irgendwie ganz weit weg klingt, sind hinsichtlich der unbemannten Luftfahrt nicht einmal die größten Unterschiede zwischen der ILA 2024 und der ILA 2026. Insbesondere – aber eben nicht nur – getrieben von militärischen Use-Cases hat sich die unbemannte Luftfahrt von einer Nebenrolle zu einem der Hauptdarsteller der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin gemausert. 

    Vom Exoten über die interessante Nische bis hin zur etablierten Technologie. Der Weg, den unbemannte Systeme in ganz vielen Teilbereichen unseres Alltags beschreiten wollen, lässt sich an verschiedenen Stellen ablesen. Beispielsweise im Vermessungswesen und im Baugewerbe, in denen Drohnen vor einigen Jahren als spannende Perspektive entdeckt und mittlerweile wie selbstverständlich eingesetzt werden. Auch bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung 2026 ist der Stellenwert unbemannter Flugsysteme im Vergleich zu früheren Jahren signifikant gestiegen. Und damit auch die Selbstverständlichkeit, mit der ihnen eine tragende Rolle zugestanden wird. Gar nicht einmal, weil von der reinen Anzahl her so viel mehr Aussteller aus der UAS-Industrie vor Ort wären als beispielsweise 2024. Es sind vor allem die vergrößerte Sichtbarkeit, die Aufmerksamkeit und die Routine, mit der in Berlin über Drohnen & Co. gesprochen wird.

    Skalierbare Drohnenproduktion

    Wenig überraschend ist die Sichtbarkeit im Bereich Verteidigung und Dual-Use am größten. Aber auch in anderen Themenfeldern lässt sich die enorm gewachsene Bedeutung deutlich ablesen. Wo man in der Supplier-Area potenzielle Kunden aus der Drone-Economy früher vielleicht eher als gern gesehenen „Beifang“ zu schätzen wusste, springen Angebote wie Servos für unbemannte Systeme, 3D-Druck für die UAS-Entwicklung oder Dienstleistungen für die skalierbare Drohnenproduktion nun direkt ins Auge und werden aktiv angepriesen. Mit dem Drone Pavillon hat die unbemannte Luftfahrt auch eine eigene Heimat auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung bekommen. Neben einer kleinen Bühne für Präsentationen und Talk-Formate nimmt darin die Indoor-Flugfläche („Käfig“) den größten Raum ein. Dort können Firmen ihre Produkte präsentieren und das Team der Dronemasters aus Berlin bietet in der restlichen Zeit die Gelegenheit, das Thema Drohnenflug aus erster Hand zu erleben. Eine sinnvolle und weitsichtige Ergänzung des ILA-Programms, denn auch Fragen der Ausbildung und Qualifizierung aktueller und künftiger Arbeitskräfte gehören zu den essentiellen Herausforderungen für die UxS-Industrie – und damit letztlich für die gesamte Luftfahrtbranche.

    Die Primoco One 150 ist eine der am häufigsten eingesetzten Langstreckendrohnen in Europa

    Während der Drone Pavillon noch ein wenig am Rande des ILA-Geländes positioniert ist, sind die unbemannten Systeme insgesamt jedoch absolut im Zentrum des Geschehens angekommen. So reiht sich beispielsweise nicht nur die German Heron TP der Bundeswehr in das Flying Display ein. Zwischen Eurofighter, Transportflugzeug Airbus A400M und Kampfhubschrauber EC665 Tiger werden wie selbstverständlich auch Primoco One 150, Quantum Vector AI, Jet1 von JetDrones und QX 2.0 von Twentyfour Industries im Flug demonstriert.

    Neue Projekte präsentiert

    Apropos Mittendrin. Auf der zentralen ILA-Plaza zwischen den Messehallen und den temporär errichteten Chalets geben Helsing, Quantum Systems und ERC Systems an prominenter Lage ihre Visitenkarte ab. Neben Werbeflächen nutzen alle drei Unternehmen die ILA, um neue Projekte vorzustellen, die an der Schnittstelle zwischen bemannter und unbemannter Luftfahrt angesiedelt sind. Die hybrid-elektrische Schwerlastdrohne „Victor U250“ von ERC Systems ist als Dual-Use-Plattform konzipiert, die sowohl militärische Logistikaufgaben als auch zivile Missionen im Katastrophenschutz oder in der Offshore-Logistik abdecken soll. Auf den Namen CA-1 EA (Electronic Attack) hört die von Helsing erstmals öffentlich gezeigte nächste Variante der CA-1-Plattform. Die EA-Version soll in etwa fünf Jahren einsatzbereit sein und dazu genutzt werden können, feindliche Luftabwehrsysteme autonom zu orten und zu stören, sodass „im Windschatten“ bemannte und unbemannte Kampf- und Aufklärungssysteme folgen können. Ein spannendes Projekt, das sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf seinem Messerundgang von Gundbert Scherf, Co-CEO und Co-Founder von Helsing, erläutern ließ.

    Bei seinem Rundgang über die ILA machte Bundeskanzler Friedrich Merz auch am Stand von Helsing Station

    Ein paar Meter weiter übernahm der Bundeskanzler sogar eine aktive Rolle. Bei Quantum Systems war er in die Vorstellung des neuesten Projekts eingebunden, das die beiden CEOs Florian Seibel und Sven Kruck in Rekordzeit aus der Taufe heben wollen: Erster Flug in einem Jahr, Auslieferung an erste Kunden bereits 2028. Die von Friedrich Merz enthüllte Pulse P19-Plattform ist ein auf bemannten und unbemannten Betrieb ausgelegtes, vielseitig einsetzbares Flugsystem. Es ist grundsätzlich bewaffnungsfähig, soll jedoch vor allem zur Identifikation und zur luftgestützten Abwehr gegnerischer UAS-Schwärme eingesetzt werden. So soll es beispielsweise möglich sein, mehrere Interceptor-Drohnen mit sich zu führen und sie nach erfolgter Detektion angreifender UAS gegen diese einzusetzen. Dass neben dem Bundeskanzler auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sowie BDLI-Hauptgeschäftsführerin Marie-Christine von Hahn an der Produktvorstellung teilnahmen, unterstreicht, wie sehr unbemannte und automatisierte Systeme derzeit im Fokus von Politik, Industrie und Militär stehen.

    Kooperationsvereinbarungen und Absichtserklärungen

    Doch nicht nur UAS, auch viele Unternehmen aus der Drone-Economy sind definitiv auf dem Radar der traditionellen Luft- und Raumfahrtindustrie. Mehr noch. Die Möglichkeit, von deren Technologien und ihrer Entwicklungsgeschwindigkeit zu profitieren, ist offensichtlich ausgesprochen attraktiv. So überschlagen sich in den Anfangstagen der ILA 2026 geradezu die Meldungen über Kooperationsvereinbarungen und Absichtserklärungen, in die UAS/AAM-Unternehmen involviert sind. Tytan Technologies beispielsweise unterzeichnete in Anwesenheit von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) ein MoU mit Mercedes-Benz, um gemeinsam ein mobiles System zur Drohnenabwehr zu entwickeln.

    Die Schwerlastdrohne „Victor“ von ERC Systems ist sowohl für militärische als auch zivile Transportaufgaben konzipiert

    Nur eines von mehreren Beispielen, die sich in eine Reihe ähnlicher Initiativen und Projekte der vergangenen Monate einreihen. Und die noch einmal unterstreichen, dass unbemannte Systeme im Bereich der Luft- und Raumfahrt den Schritt von der Neben- zu einer der Hauptrollen gemacht haben.


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