In Sachen Drohnen bringt höheres Tempo ein Mehr an Sicherheit


80 % der Verluste im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine gehen auf UxS-Einsätze zurück. Aber nur etwa 2 % der europäischen Militärausgaben fließen in unbemannte Technologien. Auf diese Diskrepanz wies Kateryna Mykhalko, Managing Director von New Age Defence, in ihrer Eröffnungsrede zum gleichnamigen Event in Berlin hin. Die Message: Die Zukunft moderner Verteidigungsstrategien ist unbemannt. Und Europa tut gut daran, die eigenen Anstrengungen an dieser Stelle zu beschleunigen.
In den vergangenen Jahren hat sich eine Avantgarde innovativer Defense-Tech-Unternehmen etabliert, die die unbemannte Zukunft der NATO und der EU entscheidend mitgestalten will. Neben konkreten Aufträgen der Bundeswehr und anderer westlicher Streitkräfte sowie einer üppigen Ausstattung mit Investitions- und Beteiligungskapital eint die unter dem Mantel von „New Age Defence“ kooperierenden Unternehmen die enge Verbundenheit mit zivilen und militärischen Partnerinnen und Partnern in der Ukraine.
Die Zukunft moderner Verteidigungsstrategien
Zur Premiere des neuen Flaggschiff-Events New Age Defence hatte der Zusammenschluss führender europäischer Defence-Tech-Unternehmen zwei Tage vor der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung daher Gäste aus Politik, Industrie, Militär und Finanzwelt in Berlin zusammengebracht. Ziel war es, darüber zu diskutieren, wie die (unbemannte) Zukunft moderner Verteidigungsstrategien aussehen könnte. Oder besser gesagt: Müsste.

Im Hangar 6 des altehrwürdigen Flughafens Tempelhof wurde darüber diskutiert, wie die (unbemannte) Zukunft militärischer Konzepte und Strategien aussehen müsste
Die Notwendigkeit, unbemannte Systeme zu Lande, zu Wasser und in der Luft als festen Bestandteil militärischer Konzepte zu verstehen und in die verschiedenen Teilstreitkräfte zu integrieren, war unter den fast 800 Anwesenden weitgehend unstrittig. Über mögliche Wege, dieses Ziel zu erreichen und potenziellen Gegnern dauerhaft den entscheidenden Schritt voraus zu sein, herrschte ebenfalls großer Konsens. Doch wie aus Erkenntnis konkrete Handlung werden kann, blieb trotz vieler namhafter Referentinnen und Referenten sowie klarer Forderungen seitens der durchaus selbstbewusst auftretenden Industrie an vielen Stellen noch reichlich vage.
Kapazitäten schaffen, um reaktionsfähig zu sein
Dabei ist Klarheit genau das, was erforderlich ist, um Fertigungskapazitäten und Lieferketten aufzubauen, damit Europa im Ernstfall handlungsfähig ist. Denn angesichts rasanter Entwicklungszyklen und des globalen Wettlaufs um die effizientesten Technologien ist Lagerhaltung im Bereich unbemannter Systeme nur bedingt sinnvoll. Es ging daher vor allem darum, wie geeignete Produktkonskapazitäten geschaffen und vorgehalten werden können, um zu jedem Zeitpunkt reaktionsbereit und handlungsfähig sein zu können.
Insbesondere die Beiträge der Vertreter der ukrainischen Streitkräfte im hochkarätig besetzten Speaker-Lineup machten jedoch deutlich, was am meisten fehlt: Zeit. Und letztlich gehe es dabei nicht „nur“ um Tempo bei den jetzt zu treffenden Entscheidungen und deren Umsetzung. Es gehe um kontinuierliche Geschwindigkeit auf allen Ebenen. Innovation, Produktion, Implementierung, Weiterentwicklung, Einsatztaktik, Vernetzung: Nur wer dem Gegner in allen Bereichen einen Schritt voraus sei, könne im – potenziell tödlichen – Wettlauf bestehen.
Einsatz-Knowhow trifft Produktionserfahrung
Die gute Nachricht: Gerade die Kombination aus ukrainischem Knowhow beim Einsatz von Drohnen und der daraus resultierenden kontinuierlichen Optimierung vorhandener Technologien auf der einen, sowie den europäischen Erfahrungen und Kapazitäten im Bereich industrieller Produktion in Europa auf der anderen Seite bietet jede Menge Chancen. Man müsse diese nur ergreifen und konsequent nutzen. Eine Voraussetzung dafür sei, das Verhältnis zwischen militärischen und zivilen Produkten neu zu denken, wie der ukrainische Stabsfeldwebel Vasyl Arbuzov forderte. Innovationen aus der privaten und kommerziellen UAS-Nutzung müssten strukturell in die Einsatzkonzepte von Militärs und Sicherheitsbehörden integriert werden. Und nicht nur im Einzelfall akzeptiert.

Sven Weizenegger, Chef des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, berichtete im Gespräch mit Kateryna Mykhalko über aktuelle und künftige Innovationsprozesse bei den deutschen Streitkräften
Schließlich waren und sind es ja vielfach schlichte, auf größtmögliche Einsatzeffizienz optimierte Konstruktionen oder auch einfache „Hobbydrohnen“, die auf Seiten der ukrainischen Streitkräfte zum Einsatz kommen. Pragmatismus, Einfallsreichtum, Geschwindigkeit und Konsequenz bei der Umsetzung: Die Richtung ist klar. Nun muss Europa sich auf den Weg machen. Dass die UxS-Industrie dafür bereit ist, war schlussendlich die zentrale Botschaft von New Age Defence.
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