Ein neues Modell für die alpine Rettung - Drones
Bis zu dreimal kürzere Evakuierungszeiten mit FlyingBasket-Lastendrohnen

Ein neues Modell für die alpine Rettung

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    Moritz Moroder, CEO von FlyingBasket, erklärt: „Unsere Technologie ermöglicht schnellere Eingriffe, reduziert Risiken für Rettungskräfte und verbessert die Transportbedingungen für PatientInnen.“

    Schwerlastdrohnen schließen eine wichtige Lücke in der Bergrettung

    Bei einem Notfall in den Bergen zählt jede Minute. Gerade in alpinem Gelände stoßen klassische Rettungsmethoden jedoch häufig an ihre Grenzen: Hubschrauber können nicht überall landen, bodengebundene Evakuierungen sind oft langsam, körperlich belastend und mit Risiken für Rettungsteams sowie PatientInnen verbunden. Schwerlastdrohnen können hier eine wichtige Lücke schließen.

    Im Rahmen des Projekts „START2 Living Lab“ wurde in den Dolomiten untersucht, wie Lastendrohnen Rettungsteams bei Evakuierungen in schwierigem Gelände unterstützen können. Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Potenzial: Evakuierungszeiten können bis zu dreimal kürzer sein. Gleichzeitig ist der Lufttransport per Drohne für PatientInnen deutlich weniger belastend als der Transport am Boden, da Stöße und Vibrationen erheblich reduziert werden.

    Zu den zentralen Technologiepartnern des Projekts zählt das Südtiroler Unternehmen FlyingBasket, ein international tätiger Hersteller von Schwerlastdrohnen für industrielle Logistik. FlyingBasket stellte seine Drohnenplattform, operatives Know-how und Schulungsmaßnahmen für Rettungskräfte zur Verfügung. Im Mittelpunkt stand ein gemeinsamer Entwicklungsprozess: Forschung, Unternehmen und Rettungsorganisationen haben die Technologie unter realen Bedingungen getestet und Schritt für Schritt weiterentwickelt – von der konkreten Problemstellung über Feldversuche bis zur nächsten Stufe der Produktreife.

    Vom Feldtest zur einsatznahen Lösung

    Bei den Feldversuchen wurden traditionelle Evakuierungsmethoden am Boden mit Einsätzen verglichen, die durch Schwerlastdrohnen unterstützt wurden. Begleitet wurde der Entwicklungsweg durch den Innovationsprozess im NOI Techpark sowie durch die medizinische und wissenschaftliche Expertise von Eurac Research. Im Mittelpunkt stand dabei nicht nur die technische Funktionsfähigkeit der Drohne, sondern ihr konkreter Mehrwert unter realen Einsatzbedingungen: unter Zeitdruck, in schwierigem Gelände und in Situationen, in denen Sicherheit, Verständlichkeit und Zuverlässigkeit entscheidend sind.

    Die FlyingBasket-FB3-Lastendrohne kann im Einsatz bis zu 100 Kilogramm Payload befördern

    Ein wichtiger Entwicklungsschritt war das gemeinsam mit Forschenden und Fachleuten für Bergrettungsmedizin von Eurac Research erarbeitete „Hot-Loading“-Verfahren. Es ermöglicht, Patientinnen und Patienten sicher zu verladen, während die Drohne in der Schwebe bleibt. Damit kann die Drohne auch dort eingesetzt werden, wo eine Landung nicht möglich oder nicht sicher wäre. Gerade in steilem oder unzugänglichem Gelände kann dies die Einsatzmöglichkeiten deutlich erweitern.

    „Mit diesem Projekt haben wir einen grundlegenden Schritt vollzogen: Drohnen sind nicht mehr nur Hilfsmittel für den Transport von Material, sondern können zu einem aktiven Bestandteil von Rettungseinsätzen werden“, sagt Moritz Moroder, CEO und Mitbegründer von FlyingBasket. „Unsere Technologie ermöglicht es, schneller einzugreifen, Risiken für Rettungskräfte zu verringern und die Transportbedingungen für PatientInnen zu verbessern. Entscheidend ist, dass die Lösung nicht nur technisch leistungsfähig ist, sondern auch in den operativen Ablauf der Rettungsteams passt.“

    Auch Michiel van Veelen, Arzt und Forscher am Institute of Mountain Emergency Medicine sowie Berater für Notfallmedizin, ist überzeugt, dass Drohnen einen Mehrwert bieten können: „Wenn wir diese Technologie künftig einsetzen, können wir die Bergrettung deutlich sicherer machen und ihre Abhängigkeit von Einsatzmitteln wie Hubschraubern verringern.“

    Neue Einsatzmodelle für schwieriges alpines Gelände

    Wenngleich sich der rechtliche Rahmen für den Personentransport mit Drohnen noch in der Entwicklung befindet, können Lastendrohnen bereits heute einen wichtigen Beitrag zu Rettungseinsätzen leisten. Sie ermöglichen den schnellen Transport von Ausrüstung, unterstützen Einsatzteams in abgelegenen Gebieten und können dazu beitragen, die Risikoexposition in anspruchsvollen Situationen zu verringern. Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse zeigen zudem, dass Schwerlastdrohnen gegenüber kleineren Systemen Vorteile bieten können – etwa bei Nutzlast, Stabilität, Einsatzreichweite und der Integration in komplexe alpine Szenarien.

    Das Projekt „START2 Living Lab“ wird im Rahmen des Programms Interreg VI-A Italien–Österreich von der Europäischen Union kofinanziert. Die Initiative entstand aus der Zusammenarbeit eines multidisziplinären Konsortiums, das AkteurInnen aus Forschung, Technologie und Rettungswesen zusammenbringt. Zu den Partnern zählen der NOI Techpark, Eurac Research – Institute of Mountain Emergency Medicine, MAVTech, FlyingBasket, CNSAS – Soccorso Alpino e Speleologico Veneto, die FH Kärnten und die FH Kufstein Tirol.

    „Der Wert von START2 liegt in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern. Sie hat es ermöglicht, die Technologie unter realen Bedingungen zu testen und Schritt für Schritt näher an den operativen Einsatz heranzuführen“, ergänzt Moroder. „Unser Ziel ist es, Lösungen zu entwickeln, die Rettung schneller, sicherer und effizienter machen und neue Standards für Einsätze im alpinen Umfeld ­mitdefinieren.“

    Die Ergebnisse des Projekts bestätigen, dass Schwerlastdrohnen zu einem wichtigen Bestandteil des Bergrettungs-Ökosystems werden können. Sie eröffnen neue Einsatzmodelle, in denen Geschwindigkeit, Präzision und Sicherheit im Mittelpunkt stehen – und zeigen, wie aus technologischer Entwicklung, wissenschaftlicher Begleitung und operativer Erfahrung eine einsatznahe Lösung für die alpine Rettung entstehen kann.


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