Erfolgreicher Hovering-Test eines 1:1-Prototyps der Odonata-Plattform Pantala

Auf Umwegen schneller zum Ziel?

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    Der Weg zum Erfolg ist oft lang und selten geradlinig. Wohl dem, der eine Abkürzung findet. Die im Jahr 2021 gegründete Odonata GmbH hatte sich vorgenommen, ein bemanntes eVTOL mit Wasserstoffantrieb zu bauen. Doch 2024 folgte die Neuausrichtung. Seither wird die bis dahin konzipierte Systemarchitektur genutzt, um die unbemannte Multi-Missions-Plattform Pantala zu entwickeln. Ein erfolgreicher Hovering-Test des 1:1-Prototypen gibt Hoffnung, den richtigen Kurs eingeschlagen zu haben. 

    Mit einem maximalen Abfluggewicht von 280 Kilogramm und einer Payload-Kapazität von bis zu 80 Kilogramm bringt das VTOL-fähige UAS zwar deutlich mehr auf die Waage, als sein tierischer Namensgeber. Doch mit knapp 8 Metern Spannweite hat Pantala dann doch etwas mit der für ihre verhältnismäßig großen Flügel bekannten Wanderheuschreckenart gemein. Zwar legte das in Leichtbauweise erstellte unbemannte Flugsystem auf dem Bundeswehr-Flughafen Roth keine besonders große Distanz zurück. Dennoch dürfte der erfolgreich abgeschlossene erste Hovering-Test einen besonderen Platz in der Geschichte des jungen Unternehmens Odonata mit Sitz im bayerischen Weßling einnehmen.

    Effizienterer Marktzugang

    „Der erfolgreiche Hovering-Test unseres 1:1-Prototyps ist für uns ein ganz entscheidender Meilenstein. Er bestätigt nicht nur unsere technologische Architektur, sondern zeigt auch, dass wir mit Pantale eine Plattform entwickelt haben, die operative Relevanz, Skalierbarkeit und ein außergewöhnlich breites Einsatzspektrum vereint“, freute sich CEO Dennis Furchheim. „Unser Ziel ist es jetzt, die nächsten Testschritte konsequent umzusetzen und Pantala zügig in Richtung Einsatzreife zu führen.“

    Trotz der beachtlichen Spannweite von annähernd 8 Metern sorgt die gewählte Rumpfstruktur für ein vergleichsweise geringes Abfluggewicht bei gleichzeitig recht großer Payloadkapazität

    Die Aussicht auf einen schnelleren und effizienteren Marktzugang war es auch, die das Ondata-Team zum Umdenken in der strategischen Ausrichtung des Unternehmens geführt hatte. Keine leichte Entscheidung, schließlich waren bereits viel Zeit, Energie und auch Geld in die Konstruktion eines manntragenden eVTOLs geflossen. Doch was schon für etablierte und deutlich größere Unternehmen eine Zerreißprobe darstellen kann, hätte für das Startup eine komplette Sackgasse bedeuten können. „Die Neuausrichtung war eine bewusste Entscheidung für Kapitaldisziplin, Marktnähe und strategische Realisierbarkeit“, erläutert Dennis Furchheim. Dass man mit dem Fokus auf die UAS-Industrie die richtige Entscheidung getroffen hatte, wurde spätestens mit der Teilnahme an der Offshore Drone Challenge von EnBW und DLR bestätigt. „Dort wurde deutlich, dass wir technologisch in diesem Segment bereits sehr nah an einem marktfähigen Produkt sind. Der Pivot war deshalb kein Rückschritt, sondern ein konsequenter Schritt hin zu einem schneller skalierbaren, kapitaleffizienteren und zugleich marktnäheren Geschäftsmodell – bei gleichzeitiger Beibehaltung unserer langfristigen Wasserstoffvision.”

    Hybridantrieb

    Das unbemannte System Pantala basiert auf einer hybriden Antriebsarchitektur: Start und Landung erfolgen batterieelektrisch, während der effiziente Reiseflug über ein Kraftstoffsystem ermöglicht wird, das derzeit mit fossilen Energieträgern betrieben werden kann und perspektivisch auf Wasserstoff ausgelegt ist. Damit verbindet die Plattform nach Angaben von Ondata kurzfristige Einsatzfähigkeit mit einer klaren technologischen Entwicklungsperspektive hin zu emissionsarmen Langstreckenmissionen.

    Erfolgt die Endmontage derzeit noch in Eigenregie, soll die komplette Fertigung perspektivisch durch Produktionspartner erfolgen

    Neben der Antriebstechnologie ist auch der gewählte konstruktive Ansatz spannend. Das leichte Rumpfgerüst ist so ausgelegt, dass es mit vergleichsweise geringen Kosten in Serie gefertigt werden kann und zugleich einen sehr flexiblen Aufbau ermöglicht. „Genau diese Kombination aus Skalierbarkeit, struktureller Effizienz und modularer Anpassungsfähigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil unseres technologischen Ansatzes“, erläutert CEO Furchheim. „Das zentrale Alleinstellungsmerkmal liegt dabei in der Art, wie wir Struktur, Beladung und Schwerpunktmanagement miteinander verbinden.” Gerade die flexible Gewichtsverteilung ist es, die den innovativen Ansatz ausmacht. Und die dazu beitragen soll, das Einsatzspektrum der Pantala-Drohne zu erweitern beziehungsweise den mit mehr als 1.000 Kilometern ohnehin großen Betriebsbereich gegebenenfalls noch einmal zu erweitern.

    Verschiebbarer Schwerpunkt

    Durch die Verschiebarkeit eines Teils des Antriebsstrangs lässt sich der Schwerpunkt des Fluggeräts während des Betriebs verändern. Über den Gewichtsausgleich lässt sich also auf wechselnde Zuladung oder auf den Kraftstoffverbrauch reagieren, sodass die aerodynamische Stabilität und Effizienz im Flächenflug in unterschiedlichen Flugphasen optimiert werden können. „Unser technologischer USP besteht darin, dass wir einen Teil des Powertrains über den Rumpf verschieben können, um den Schwerpunkt über verschiedene Beladungszustände und über den gesamten Flug hinweg optimal auszurichten. Das System ist so gedacht, dass es sich während des Betriebs digital anpassen kann“, erläutert Dennis Furchheim. „Der große Vorteil liegt darin, dass dadurch ein möglichst effizienter und zugleich stabiler Flugzustand erhalten werden kann. Gleichzeitig wird das Be- und Entladen für den Kunden erheblich vereinfacht, weil die Positionierung der Fracht deutlich weniger kritisch ist als bei herkömmlichen Konzepten.”

    Das Odonata-Team verfolgt bei der Palanta-Drohne ein hybrides Antriebskonzept

    Auch wenn der jüngste Hover-Test einen Erfolg im Entwicklungsprozess darstellt, ist es bis zur Markteinführung der Pantala-Drohne noch ein weiter Weg. Wie bei den meisten Startups und Produktentwicklungen steht und fällt die erfolgreiche Realisierung der eigenen Vision vor allem mit den zur Verfügung stehenden Geldmitteln. War diese bis zum jüngsten Full-Scale-Hover-Test gesichert, steht derzeit eine neue Finanzierungsrunde an, um den finalen Proof of Concept zu realisieren. „Unser aktueller Plan ist es, ab 2027 erste Pilotkunden zu bedienen und die Plattform in ersten realen Anwendungsszenarien einzusetzen“, gibt Dennis Furchheim die Richtung vor. „Der Fokus liegt dabei darauf, Technologie nicht nur zu demonstrieren, sondern sie in einen belastbaren operativen Einsatz zu überführen.”






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