Ein Schwergewicht auf dem AAM-Markt entsteht


In der UAS- und AAM-Industrie ist der Wettbewerb um die besten Ausgangspositionen im Kampf um künftige Anteile am sich entwickelnden globalen Zukunftsmarkt der unbemannten Luftfahrt voll entbrannt. Fusionen und Übernahmen sind da ein probates Mittel. Dass nun aber ausgerechnet Archer Aviation den Konkurrenten Wisk Aero übernehmen und sich mit Insitu und Skygrid noch zwei weitere Unternehmen aus dem Boeing-Konzern einverleiben würde, damit konnte nicht unbedingt gerechnet werden.
Es war die vielleicht spektakulärste Rivalität der jungen „Advanced Air Mobility“-Industrie. Noch vor wenigen Jahren lieferten sich Wisk Aero, dessen Geschichte als Joint Venture von Boeing und Kitty Hawk um den Google-Mitgründer Larry Page begann, und Archer Aviation eine regelrechte Schlammschlacht. Nachdem Wisk den Konkurrenten im Bereich „Flugtaxi-Entwicklung“ zunächst Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen und Patentverletzungen vorwarf, reagierte Archer mit dem Vorwurf, der Kontrahent führe eine bewusste Verleumdungskampagne. Nach monatelangem Zwist einigten sich beide Seiten schließlich im August 2023 darauf, die Rechtsstreitigkeiten beizulegen. Mehr noch. Bereits damals vereinbarte man eine Kooperation im Bereich autonomer Technologien und Boeing beteiligte sich als Investor an einer Finanzierungsrunde, die Archer insgesamt 215 Millionen US-Dollar in die Kassen spülte.
Grundsätzliche Einigung wurde erzielt
Drei Jahre später nun die nächste spektakuläre Entwicklung in der wechselvollen Beziehung der beiden Unternehmen. Wie Archer Aviation und Boeing in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilten, habe man eine grundsätzliche Einigung darüber erzielt, dass Archer neben Wisk Aero auch die Konzerntöchter Insitu und SkyGrid von Boeing übernehmen werde, sofern die bei solchen Deals erforderlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Nach Angabe der Unternehmen wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.

Nach einer langen Phase der erbitterten Konkurrenz wird die Technologie von Wisk Aero künftig Teil des Portfolios von Archer Aviation (Foto: Wisk Aero)
Zum exakten Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, offenbar handelt es sich jedoch um ein reines Aktiengeschäft. Neben einem Sitz im Board of Directors erhält Boeing laut Medienberichten knapp 20 Prozent der Anteile an Archer Aviation sowie ein Anrecht auf den Kauf weiterer Aktien im Wert von bis zu 200 Millionen US-Dollar. Darüber hinaus wurde eine Kooperationsvereinbarung getroffen, sodass Boeing künftig Zugriff auf die UAS- und AAM-Technologien der Archer-Gruppe erhält, um eigene Projekte im Bereich unbemannter und (teil-)autonomer Systeme voranzutreiben.
Akquisition fördert Marktdurchdringung und Umsatzzahlen
Für Archer Aviation bedeutet der Deal vor allem weiteres Wachstum und eine stärkere Marktdurchdringung. Mit Skygrid, einem Anbieter von Air-Traffic-Management-Lösungen, sowie vor allem dem Drohnenhersteller Insitu wird das Portfolio des Unternehmens deutlich aufgewertet und um Geschäftsbereiche mit signifikanten Umsatzzahlen erweitert.

Vor wenigen Wochen stellten Archer Aviation und Anduril die gemeinsamen Pläne für eine unbemannte Transportplattform vor (Foto: Archer Aviation)
Nachdem Mitte Juli die Zusammenarbeit von Archer Aviation mit Anduril zur Entwicklung einer unbemannten Schwerlastplattform bekannt wurde, ist die jüngste Akquisition ein weiterer Schritt auf dem Weg, ein Komplettangebot im Bereich der unbemannten Luftfahrt aufzubauen und physische KI-Lösungen für den hart umkämpften Markt künftiger „Urban Air Mobility“- und „Advanced Air Mobility“-Anwendungen zu entwickeln.
Hauptbild: Archer Aviation
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