Wie Kleinbusse ohne Fahrer die Mobilitätswende auf dem Land vorantreiben können


Autonome Shuttles werden von vielen als eine Revolution des öffentlichen Nahverkehrs gesehen, insbesondere in ländlichen Regionen. Eine aktuelle Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) liefert nun fundierte Daten zur Akzeptanz und technischen Zuverlässigkeit dieser Systeme. Durch die Auswertung von über 1.600 Testfahrten wird deutlich, unter welchen Voraussetzungen automatisierte Kleinbusse herkömmliche Autofahrten ersetzen können.
Die Ergebnisse des Projekts RABus – Reallabor für den automatisierten Busbetrieb basieren auf einer umfassenden Analyse von mehr als 1.600 Testfahrten mit Fahrgästen in den Städten Mannheim und Friedrichshafen. Die Forschenden des Instituts für Verkehrswesen (IFV) untersuchten dabei nicht nur die technische Zuverlässigkeit der autonomen Shuttles im Alltag, sondern auch die Reaktion der Bevölkerung sowie die nötigen organisatorischen Rahmenbedingungen. Laut Professor Martin Kagerbauer vom KIT können automatisierte Angebote die Mobilität im ländlichen Raum signifikant steigern, sofern sie verlässlich funktionieren und die Nutzenden die Fähigkeiten des Fahrzeugs verstehen.
Sicherheit als Erfolgsfaktor
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die hohe Offenheit der Bevölkerung gegenüber der neuen Technik. Voraussetzung für die Nutzung ist jedoch ein ausgeprägtes Sicherheitsgefühl während der Fahrt. Dies betrifft sowohl die Zuverlässigkeit der technischen Systeme als auch den Schutz vor aggressivem oder bedrohlichem Verhalten anderer Mitreisender. Christian Klinkhardt vom IFV betont, dass ein gut einsehbarer Innenraum, eine direkte Verbindung zur Leitstelle sowie verständliche Informationen während der Fahrt essenziell für das Vertrauen der Passagiere sind. Nur wenn man sich sicher fühlt, werden diese Systeme als Alternative zum eigenen Auto akzeptiert.
Die Analyse zeigt zudem, dass autonome Shuttles alltägliche Wege zum Einkaufen, zur Schule oder zum Bahnhof erheblich erleichtern können. Damit ein verlässlicher Alltagsbetrieb entstehen kann, müssen jedoch praktische Fragen der Zuständigkeit geklärt werden. Es gilt festzulegen, wer die Fahrzeuge und die Software-Lösungen betreibt und wer die Verantwortung übernimmt, falls das autonome System nicht verfügbar ist. Diese Rollenverteilung zwischen Fahrzeugherstellern, Software-Anbietern und kommunalen Verkehrsunternehmen ist eine Grundvoraussetzung für den breiten Roll-out, da diese Fragen im klassischen Busverkehr keine Rolle spielen.
Ohne Begleitung in die Zukunft
Ein entscheidender Meilenstein für die Weiterentwicklung ist der Übergang zu Fahrzeugen ohne Sicherheits-Begleitperson. Erst mit regulär zugelassenen Fahrzeugmodellen, die vollständig autonom agieren, lassen sich die von der Politik geplanten großen Modellregionen realisieren. Die Erkenntnisse aus Baden-Württemberg fließen bereits in laufende Projekte wie KIRA und ALIKE ein, die autonome Kleinbusse in Hamburg, Darmstadt und dem Kreis Offenbach erproben. Mittelfristig könnten diese Systeme die Mobilität überall dort sicherstellen, wo heute Personalmangel herrscht oder Busse nur selten verkehren.
Für die UxS-Branche zeigt dieser Bericht die Übertragbarkeit autonomer Flottenkonzepte auf den öffentlichen Raum. Die Herausforderungen bei der Integration in bestehende Verkehrsinfrastrukturen, die notwendigen Leitstellenanbindungen und die Definition von Betreiberverantwortlichkeiten spiegeln die Hürden wider, vor denen auch die automatisierte Logistik-Drohnen-Wirtschaft steht. Zudem unterstreicht die Studie, dass die Akzeptanz unbemannter Systeme maßgeblich von der transparenten Kommunikation der Systemfähigkeiten und der sozialen Sicherheit abhängt. Diese Erkenntnisse lassen sich direkt auf den Betrieb von Lieferdrohnen oder automatisierten Überwachungssystemen in urbanen Räumen übertragen, bei denen das Vertrauen der Öffentlichkeit ebenfalls der entscheidende Faktor für eine erfolgreiche Skalierung ist.
Den Abschlussbericht der KIT-Studie gibt es hier: https://www.ifv.kit.edu/downloads/25519_RABus%20Abschlussbericht_RZ.pdf
Wir berichteten bereits mehrfach über Projekte mit autonomen Fahrzeugen im ÖPVN:
Autonome Shuttles als Chance für den ÖPNV: Hohe Akzeptanz und Potenzial
Mobilität: Vollautomatisierte Kleinbusse mit hohem Potenzial für flexiblen ÖPNV
Wie autonomes Fahren die unbemannte Mobilität nach vorne bringt
Foto: Felix Kästle, ZF Friedrichshafen