Skypuzzler: Automatische Flugsteuerung für den Multi-Drohnen-Betrieb


Ob Logistikanwendung, Rettungsmission, Überwachungsaufgabe oder Inspektionsflug: Wenn es nach der UAS-Industrie geht, wird künftig am Himmel über Städten, Häfen oder Industriegebieten rege Betriebsamkeit herrschen. Damit all das sicher im allgemeinen Luftraum stattfinden kann, werden technische Lösungen und alltagstaugliche Prozesse benötigt. Unter anderem eine Art digitales Nervensystem, um in Echtzeit auf mögliche Gefahrensituationen reagieren zu können. Ein System, wie es Skypuzzler anbietet.
Skypuzzler wurde im Januar 2022 in Dänemark gegründet – getrieben von der Erkenntnis, dass sich der Luftraum schneller verändert als das dafür maßgebliche Regelwerk. Während bereits immer mehr unbemannte Luftfahrzeuge am Himmel auftauchten, waren die bisherigen Flugsicherungssysteme noch auf ganz andere Herausforderungen ausgerichtet. Und sind es im Grunde bis heute. Ohne einen grundlegend neuen Ansatz, so die Überzeugung der Skypuzzler-Gründer Ronni Winkler Østergaard, Morten Skov und Jesper Skou, würde
ein umfassender UAS-Betrieb entweder von den Regulierungsbehörden im Keim erstickt oder vermeidbare Risiken in Kauf genommen werden. Also machten sie sich daran, diese potenzielle Lücke zu schließen, bevor sie tatsächlich zu einem Problem werden konnte.

Das Gründungsteam von Skypuzzler (von links): Ronni Winkler Østergaard, Morten Skov und Jesper Skou
Wenn Dichte auf Komplexität trifft
Damit der kommerzielle Drohnenbetrieb wirtschaftlich skalierbar wird, muss für viele Anwendungsszenarien die 1:1-Beziehung zwischen Pilot und Flugsystem aufgebrochen werden. Aus einem Leitstand heraus – weit außerhalb der direkten Sichtweite des zuständigen Personals – müssen mehrere UAS überwacht und sogar ganze Schwärme koordiniert werden können, um die Vorteile unbemannter Systeme tatsächlich vollumfänglich nutzen zu können. BVLOS (Beyond Visual Line of Sight) ist der entscheidende Katalysator, der das wirtschaftliche Potenzial des Drohneneinsatzes freisetzt. Wenn ein einziger qualifizierter Pilot fünf Drohnen gleichzeitig überwachen kann, anstatt nur eine einzige, revolutioniert das die Kostenstruktur des gesamten Betriebs. Doch BVLOS im allgemeinen Luftraum erfordert ein Maß an automatisierter Koordination, das bestehende Infrastrukturen vor ein paar Jahren schlichtweg nicht leisten konnten. Und genau diese Marktlücke versucht Skypuzzler zu schließen.
Integrierte digitale Flugsicherung
Die integrierte digitale Flugsicherung (integrated Digital Air Traffic Control, iDATC) von Skypuzzler ist eine für die Luftfahrt zertifizierbare KI-Technologie. Sie bietet Echtzeit-Koordination, automatisierte Konflikterkennung sowie -lösung und ermöglicht es einem einzigen Piloten, mehrere Drohnen gleichzeitig zu steuern oder deren automatisierten Flug zu kontrollieren. Das System erstellt ein ganzheitliches digitales Lagebild, überwacht Positionen sowie Flugbahnen in gemeinsam genutzten Räumen und erkennt drohende Konflikte vorausschauend – etwa wenn zwei UAS auf denselben Punkt zusteuern oder eine Drohne so unterwegs ist, dass sie den Sicherheitsbereich rund um ein bemanntes Luftfahrzeug verletzen würde. Sobald ein potenzieller Konflikt identifiziert wird, löst das System diesen dynamisch auf: Es passt Flugrouten an, hält Sicherheitsabstände ein und taktet die Flugzeiten so, dass jedes Luftfahrzeug sein Ziel erreicht, ohne die Sicherheit anderer Luftraumnutzer zu gefährden. Entscheidend ist dabei, dass iDATC sowohl einzelne BVLOS-Missionen als auch komplexe Schwarmoperationen unterstützt. Für UAS-Betreiber, die eine 1:n-Missionskontrolle anstreben, ist dies die essentielle Grundlage.
Die Skypuzzler-Lösung unterstützt zudem die Priorisierung von Flügen. Dies ist im kommerziellen Alltagsbetrieb unverzichtbar, in dem unterschiedliche Missionsarten – etwa Notfalleinsätze, zeitkritische Fracht oder Routineinspektionen – gleichzeitig dieselben Flugkorridore beanspruchen. So ermöglicht das System das sichere Hochskalieren autonomer Operationen, ohne die regulatorischen Auflagen oder die operative Integrität zu verletzen.

Das dänische Unternehmen Skypuzzler hat sich darauf spezialisiert, ein KI-basierte Technologie zur automatischen Konfliktvermeidung von automatisiert operierenden Flugsystemen zu entwickeln
Determinismus statt Wahrscheinlichkeit
Was Skypuzzler im Vergleich zu einigen anderen Technologie-Startups auszeichnet, ist das fundierte operative Praxiswissen des Gründerteams. CEO Jesper Skou und COO Ronni Winkler Østergaard sind ehemalige Fluglotsen mit langjähriger Erfahrung im Umgang mit der militärischen und zivilen Luftfahrt. CTO Morten Skov steuert hochkarätige Informatik-Expertise bei. Alle drei bringen sich aktiv in europäische Standardisierungsinitiativen und Expertenarbeitsgruppen der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) ein – unter anderem zum Thema KI-Governance.
Luftfahrtbehörden verlangen nachweislich zertifizierbare Systeme. Zertifizierung bedeutet dabei, gemäß strengen Vorgaben zu belegen, dass sich Technologien unter allen vorhersehbaren Betriebsbedingungen exakt so verhalten, wie vorgesehen. Viele bestehende Lösungen setzen auf datengestützte KI-Modelle. Eine Künstliche Intelligenz, die anhand von Wahrscheinlichkeitsüberlegungen Muster aus vorhandenen Daten ableitet, lässt sich jedoch bislang nur schwer zertifizieren. Ihre Logik ist nicht vollständig transparent und ihr Verhalten in außergewöhnlichen Situationen lässt sich nicht mit der von Regulierungsbehörden geforderten Präzision vorhersagen. Skypuzzler wählte daher einen deterministischen Ansatz, der der KI klare Vorgaben macht und den „Faktor Zufall“ auf diese Weise eliminiert. Wenn iDATC eine Entscheidung zur Konfliktlösung trifft, lässt sich dieser Schritt lückenlos auf ein definiertes Regel- und Parameterwerk zurückführen. Jede Entscheidung kann überprüft, getestet, validiert und zertifiziert werden.
Ergänzend zu dieser technischen Differenzierung hat Skypuzzler eine bewusste Architekturentscheidung getroffen, die seine Marktposition vermeintlich einschränkt, sie im Grunde jedoch erweitert. Während UTM-Plattformen darauf ausgerichtet sind, möglichst viele Funktionen aus einer Hand anzubieten, konzentriert sich Skypuzzler vollständig auf den eigentlichen Flugbetrieb und die automatisierte Vermeidung von Konfliktsituationen in der Luft. Die Architektur ist plattformunabhängig: Sie lässt sich – wie ein Plug-in-Nervensystem – nahtlos als Speziallösung in verschiedene UTM-Ökosysteme integrieren.

Je dichter der Verkehr im unteren Luftraum wird, desto wichtiger wird es, dass sich unbemannte Systeme selbständig koordinieren können, ohne das menschliches Eingreifen erforderlich ist
Anderen das Skalieren ermöglichen
Skypuzzler bedient zwei zentrale Kundenkategorien. Der Primärmarkt liegt im B2B-Bereich und richtet sich an Unternehmen, die Drohneneinsätze mit mehreren Luftfahrzeugen in komplexen Umgebungen skalieren möchten. Der Sekundärmarkt (B2G) adressiert UTM-Systemanbieter, Flugsicherungsorganisationen (ANSPs) und nationale Behörden, die Luftrauminfrastrukturen auf- und ausbauen.
Der wirtschaftliche Nutzen für Kunden ist direkt messbar. Der Übergang von einem 1:1-Modell (ein Pilot pro Drohne) zu einem iDATC-gestützten 1:n-Prinzip kann die direkten Personalkosten pro Flugstunde um bis zu 80 Prozent senken. Neben dieser Ersparnis sorgt eine höhere Auslastung der Luftfahrzeuge für mehr umsatzgenerierende Flüge pro Betriebszeitraum. Zudem reduziert die optimierte Nutzung bestehender Flugkorridore die Notwendigkeit kostspieliger Kapazitätserweiterungen. Für Behörden und UTM-Anbieter ist das Wertversprechen gleichermaßen überzeugend: eine zertifizierbare, digitale Flugsicherungslösung, die komplexen Drohnenverkehr ermöglicht.
Anerkennung
Für ein junges Unternehmen verfügt Skypuzzler bereits über eine beeindruckende Erfolgsbilanz. Im Jahr 2023 gewann das Unternehmen den „Air Traffic Management Award 2022“ – als erstes Startup in der Geschichte des Preises. Dies war ein bemerkenswertes Signal in einer Branche, die traditionell von etablierten Branchengrößen dominiert wird. 2024 sicherte man sich eine Förderung durch den Europäischen Innovationsrat (EIC) und setzte sich dabei gegen mehr als 900 Mitbewerber durch. Das unterstreicht sowohl die technologische Exzellenz von Skypuzzler als auch das Vertrauen führender Innovatoren in das Marktpotenzial des Unternehmens. Zusätzlich wurde Skypuzzler im Business Incubation Centre der Europäischen Weltraumorganisation in Dänemark (ESA BIC DK) gefördert, was neue Zugänge zum Satelliten- und Raumfahrtsektor eröffnete. Über die im Dezember 2024 gegründete Tochtergesellschaft in Toulouse ist das Unternehmen zudem Mitglied im Aerospace Valley Cluster – dem Herzen von Europas größtem Luft- und Raumfahrt-Ökosystem.

Gerade über Hafenanlagen dürfte der Flugverkehr in den kommenden Jahren stetig zunehmen, sodass geeignete Technologien erforderlich sind, um den sicheren Betrieb zu gewährleisten
Von der Theorie zur Praxis
Die Entwicklung von Skypuzzler fand nicht hinter verschlossenen Labortüren statt. Zwischen 2023 und 2025 leitete das Unternehmen gemeinsam mit dem belgischen UTM-Anbieter Unifly ein Eurostars-Projekt zur automatisierten Konfliktvermeidung bei BVLOS-Drohneneinsätzen. Fokus war die dynamische Routenanpassung in Echtzeit, wenn mehrere Luftfahrzeuge ohne direkte menschliche Steuerung denselben Luftraum nutzen. Im Jahr 2024 schloss Skypuzzler eine von der ESA geförderte Machbarkeitsstudie zur leistungsorientierten Navigation (Performance-Based Navigation) ab und entwickelte ein hochpräzises Modul zur Konfliktvermeidung in dicht besetzten Lufträumen. Diese Arbeit legte zugleich den Grundstein für die Ambitionen des Unternehmens im Raumfahrtsektor, da im zunehmend stark frequentierten erdnahen Orbit vergleichbare Technologien zur Flugsteuerung und Konfliktvermeidung wie im unteren Luftraum benötigt werden.
Rasch wachsen, strategisch handeln
Zwischen 2024 und 2026 wuchs die Belegschaft von Skypuzzler von sieben auf 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein Wachstum, das sowohl die Marktdynamik als auch die zunehmende operative Reife des Unternehmens widerspiegelt. Mit Standorten in Dänemark und Toulouse ist Skypuzzler in zwei wichtigen europäischen Luft- und Raumfahrtzentren verankert. Im Zuge der 2026 intensivierten kommerziellen Skalierung soll das Team kontinuierlich vergrößert werden. Nicht zuletzt, weil der Expansionskurs in naher Zukunft auch in Richtung Nordamerika führen soll.

Nicht nur die Konfliktvermeidung, auch die Priorisierung bestimmter Luftraumteilnehmer wie Rettungshubschrauber oder Polizeidrohnen lassen sich mit der iDATC-Plattform von Skypuzzler abbilden
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