Medizinische Transporte über den Dächern von Berlin – DRONES

Medizinische Transporte über den Dächern von Berlin

Meldung der Woche 

• Nicht erst seit der gleichnamigen TV-Serie ist die Berliner Charité eines der bekanntesten Krankenhäuser der Welt. Künftig soll das renommierte Universitätsklinikum jedoch nicht nur aufgrund seiner beeindruckenden Historie und medizinischer Spitzenleistungen im Blickpunkt stehen, auch im Bereich unbemannter Luftfahrtsysteme möchte man zu den Vorreitern gehören. Aktuell ist man gleich an zwei Projekten beteiligt, in denen Drohnen Transportzeiten verkürzen und Krankenhausabläufe optimieren sollen. 

Ob Hamburg, Siegen oder Braunschweig, die Liste an Städten und Regionen, in denen Drohnen für medizinische Transporte eingesetzt werden sollen, ist bereits jetzt beachtlich. Und wird stetig länger. Jüngst wurde ein Projekt in Baden-Württemberg präsentiert, bei dem die Einrichtungen der RKH Kliniken eilige Proben mit dem Gyrotrak des Hamburger Startups Airial Robotics (wir berichten in Ausgabe 1/2021) zum zentralen Labor in Ludwigsburg transportieren wollen. Koordiniert wird das Ganze von der Firma German Copters aus Dresden. Und auch in Berlin nimmt die Entwicklung weiter Fahrt auf, hier haben im Herbst 2020 gleich zwei Projektgruppen erfolgreiche Demonstrationsflüge absolviert und streben eine Ausweitung bis hin zum Regelbetrieb bereits im kommenden Jahr an. 

Da wäre zunächst das Konsortium aus Charité CFM Facility Management GmbH, dem Berliner Start-up DiAvEn und GÖK Consulting. Mit der DiAvEn-Lieferdrohne “Labfly” sollen eilige und kleinvolumige Güter zwischen den Standorten Charité Mitte und Virchow-Klinikum transportiert werden. Ende Oktober wurden die ersten Tests erfolgreich absolviert und die Integration der Drohne in die Betriebsabläufe getestet. Auch möglichst optimale An- und Abflugrouten wurden evaluiert. Anfang des kommenden Jahres soll dann ein sechsmonatiger Probebetrieb beginnen. 

Bereits seit 2017 sammelt Matternet, das als weltweit erstes Unternehmen für den kommerziellen BVLOS-Betrieb von Drohnenlogistiknetzwerken über Städten in der Schweiz zugelassen wurde, Erfahrungen bei Transporten sowohl über ländlichen als auch urbanen Gebieten. Die Matternet-Drohnen kommen unter anderem in Partnerschaften mit großen Unternehmen wie UPS oder auch Japan Airlines zum Einsatz. Nach zwei Zwischenfällen im Jahr 2019 mussten die von der Schweizer Post eingesetzten UAVs zwar für einige Monate am Boden bleiben, sie sind mittlerweile jedoch wieder unterwegs. Und jetzt also die deutsche Hauptstadt. Hier sollen künftig besonders zeitkritische Proben von einzelnen Standorten des städtischen Krankenhausbetreibers Vivante und des Universitätsklinikums Charité zum Zentrallabor des gemeinschaftlich betriebenen Unternehmens Labor Berlin gebracht werden. 

Am 17. November 2020 begannen die ersten offiziellen Tests der autonomen Fluggeräte. Vom Charité Campus Benjamin Franklin und dem von Vivantes im Auftrag des Berliner Senats betriebenen Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße sollen dabei künftig Proben per Drohne zum Charité Campus Virchow-Klinikum transportiert werden, um diese in der zentralen Testeinrichtung von Labor Berlin schnellstmöglich zu analysieren. „Wir können schon jetzt Dank effizienter Prozesse sehr schnelle Befunde liefern. Für Notfallproben liegt unsere Bearbeitungszeit im Labor unter 30 Minuten. Das Nadelöhr ist, gerade in einer Stadt wie Berlin, der Transport. Je länger die Probe zu uns braucht, desto länger warten die Patienten auf ihre Laborergebnisse“, so Nina Beikert, Geschäftsführerin von Labor Berlin.  Erklärtes Ziel ist es, bereits im kommenden Jahr den Regelbetrieb eines innerstädtischen BVLOS-Netzwerks zur Lieferung medizinischer Materialien durch die Luft aufzunehmen. Zum entscheidenden Faktor bei der Umsetzung der ehrgeizigen Pläne könnte die Unterstützung der Berliner Verkehrsverwaltung werden. Denn die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz koordiniert die komplexen luftverkehrsrechtlichen und interdisziplinären Abstimmungen zwischen den Beteiligten und Behörden – und damit einen der besonders komplexen Teilbereiche bei der Realisierung von medizinischen Transporten per Drohne. 

Foto: Matternet