Machbarkeitsstudie: Luftrettung mit bemannten Drohnen – DRONES

Machbarkeitsstudie: Luftrettung mit bemannten Drohnen

Vor fast genau 50 Jahren, am 1. November 1970, begann mit der Inbetriebnahme von „Christoph 1“ in München-Harlaching die Erfolgsgeschichte der ADAC Luftrettung in Deutschland. Genauso revolutionär wie der Einsatz von Rettungshubschraubern für die schnelle Versorgung von Unfallopfern und die notärztliche Behandlung von Patienten in Lebensgefahr war, so einschneidend könnte künftig das Nutzen von bemannten Drohnen im Rettungswesen sein. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der ADAC Luftrettung, die 2018 auf den Weg gebracht und von der gemeinnützigen ADAC Stiftung gefördert worden war. Im Fokus des Forschungsprojektes in Kooperation mit der Firma Volocopter in Bruchsal und den Modellregionen Ansbach-Dinkelsbühl (Bayern) und Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) stand die Frage: Kann das Rettungsdienstsystem mit dem Einsatz von Drohnen als schneller Notarztzubringer verbessert und zukunftssicher aufgestellt werden?  

Für die Studie hatte das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Ludwig-Maximilians-Universität München (INM) in einer Makroanalyse für die Bundesländer Bayern und Rheinland-Pfalz Einsatzpotenziale des Multikopters ermittelt und in einer Mikroanalyse für zwei Modellregionen – auf Basis historischer Leitstellendaten – mehr als 26.000 Notfalleinsätze mit Multikoptern am Computer simuliert: für den Rettungsdienstbereich Ansbach mit dem Luftrettungsstandort Dinkelsbühl in Bayern sowie Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz. Durchgespielt wurden dabei Szenarien mit unterschiedlichen Einsatzradien, Reichweiten und Geschwindigkeiten. 

Das Ergebnis: Für die Notfallversorgung ergeben sich ab einem Einsatzradius von 25 bis 30 Kilometern deutliche Verbesserungen – insbesondere in ländlichen, dünner besiedelten Regionen. Die optimale Fluggeschwindigkeit der Drohne sollte in diesem Fall bei 100 bis 150 Kilometer pro Stunde, die Mindestreichweite bei rund 150 Kilometern liegen, um auch Anschlusseinsätze durchführen zu können. Wenn es gelänge, bemannte Drohnen wie den VoloCity von Volocopter entsprechend zu nutzen, könnten beispielsweise in Bayern 43 Mulitkopter-Standorte 114 NEF-Standorte (NEF = Notarteinsatzfahrzeug) ersetzen. Die Arbeit der Mediziner wird so effektiver und der Multikopter zu einem adäquaten Mittel im Kampf gegen den vielerorts herrschenden Notarztmangel. Ein weiterer Effekt: Rettungshubschrauber und deren Besatzungen könnten effektiver eingesetzt werden, fungieren diese doch heute laut einer Pressemitteilung von ADAC Luftrettung und Volocopter in rund 60 Prozent der Fälle als reiner Notarztzubringer. Stattdessen könnten sie ihr Potential als Transportmittel in weiter entfernte (Spezial-)Kliniken besser ausschöpfen. 

Ein entsprechender Testbetrieb ist ab 2023 geplant und soll in den bisherigen zwei Modellregionen stattfinden: in Bayern im Rettungsdienstbereich Ansbach an der ADAC Luftrettungsstation in Dinkelsbühl, in Rheinland-Pfalz an einem neuen, reinen Multikopter-Standort in der Region Idar-Oberstein. Bemannte Drohnen sollen Rettungshubschrauber laut der Autoren der Studie dabei ausdrücklich nicht ersetzen, sondern die schnelle Hilfe aus der Luft ergänzen. Ein Patiententransport ist zunächst nicht vorgesehen.

Abbildung: Volocopter