LieferMichel: Drohnen auf der vorletzten Meile

Gutes von oben

Viel wurde in den vergangenen Jahren über das Thema Warentransport per UAS diskutiert, über Potenziale und nicht zuletzt auch Grenzen von unbemannten Flugsystemen auf der letzten Meile. Im Projekt LieferMichel wird derzeit ein anderer Ansatz erprobt. Hier übernimmt ein Wingcopter nur den Teil des Weges, auf dem dieser seine Vorteile auch voll ausspielen kann. Die Auslieferung an der Haustür wird dann mit Hilfe eines Lastenfahrrads erledigt. Ein spannendes Vorhaben – mit Drohnen auf der vorletzten Meile.

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In ländlichen Regionen kann es heutzutage nicht nur schwer sein, einen Hausarzt zu finden. Auch die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ist vielerorts kompliziert. Zumindest dann, wenn man nicht ins Auto steigen kann oder will. Zwar bieten die großen Versandhäuser und auch immer mehr Einzelhändler mittlerweile Lieferservices an, doch der ökologische Fußabdruck, den jede einzelne Warensendung hinterlässt, ist vergleichsweise tief. Und gerade im „Notfall“, wenn plötzlich eine Lücke in der häuslichen Vorratshaltung offenbar wird, fehlen zuweilen auch die passenden Optionen. An dieser Stelle soll im Verbundprojekt „DroLEx – Drohnen-Lastenrad-Express-Belieferung“ eine Lösung erprobt werden. Schnell, flexibel und zumindest auf den letzten beiden Meilen klimaschonend.

Ladensterben

Unter dem eingängigen Namen „LieferMichel“ bietet das gemeinsame Vorhaben von Drohnenhersteller Wingcopter und der Frankfurt University of Applied Sciences seit Anfang Oktober im hessischen Mittelstadt die Möglichkeit, Lebensmittel und Gebrauchsgüter per Lieferdrohne und Lastenrad schnell und emissionsfrei nach Hause liefern zu lassen. Weitere Partner des in der Testphase auf die abgelegenen Ortsteile Rehbach und Würzberg beschränkten Angebots sind Rewe, Vodafone und der E-Bike-Spezialist Riese & Müller.

In den außerhalb von Michelstadt gelegenen Ortsteilen haben in den vergangenen Jahren viele lokale Händler ihre Geschäfte geschlossen, sodass Anwohnerinnen und Anwohner gezwungen sind, zum Einkaufen nach Michelstadt oder in andere Orte zu fahren – teils deutlich über 10 Kilometer pro Strecke. Dank der Website www.liefermichel.de können sie nun in bestimmten Fällen das Auto stehen lassen und Güter des täglichen Bedarfs wie haltbare Milch, Eier, Obst und Gemüse, Konserven sowie viele weitere ungekühlte Produkte bestellen und sich diese zu einem Wunschtermin nach Hause liefern lassen. Die Bestellungen werden per Wingcopter an feste Landepunkte am Rande der Ortschaften geflogen, von wo aus sie per E-Lastenrad bis zu den Kundinnen und Kunden gefahren werden. Auf diese Weise sollen die individuellen Stärken von UAS und E-Bikes optimal genutzt werden. Während die Drohnen auf der Mittelstrecke schnell und automatisiert die Waren vom Laden zu einer Verteilstation transportieren können, sorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort für die individuelle Zustellung – und gleichen somit einige der wesentlichen Schwächen in vielen „Lieferdrohnen-Konzepten“ aus.

2.000 Flugkilometer

Eine Idee, die durchaus auf Gegenliebe stößt. Auch wenn ein wirtschaftlich tragfähiger Geschäftsbetrieb wohl noch ein Stück weit entfernt liegt, wird der Service durchaus in Anspruch genommen. Bei mehr als 100 Bestellungen – im Schnitt verzeichnet LieferMichel zwei Auslieferungen pro Tag – legte der eingesetzte Wingcopter 198 bereits mehr als 2.000 Flugkilometer zurück. Pro Kunde wurden dabei im Schnitt Waren mit einem Gewicht von 2,3 Kilogramm befördert. Ganz oben auf der Einkaufsliste stehen dabei frisches Obst und Gemüse, aber auch Süßigkeiten sowie Kosmetika landen erst im Warenkorb und anschließend in der Transportbox der eVTOL-Drohne. Mit dem Fußball-Bundesligisten SV Darmstadt 98, der umweltschonend Fanartikel in den Odenwald liefern lassen will, kam jüngst ein weiterer Anbieter zum LieferMichel-Sortiment hinzu. Und auch die Odenwaldbox mit Produkten regionaler Produzenten kann man sich mittlerweile per UAS liefern lassen.

„Die Nahversorgung in entlegeneren Ortsteilen ist nicht nur bei uns in Michelstadt, sondern in vielen ländlichen Gemeinden der Region ein bedeutendes Thema. Deswegen sind wir immer an innovativen Ideen und Konzepten wie der Lieferung per Drohne und Lastenrad interessiert und freuen uns, Teil dieser Deutschland-Premiere zu sein“, teilte Dr. Tobias Robischon, Bürgermeister der Stadt Michelstadt, zum DroLEx-Start mit. Eine Premiere, die gerade in die Verlängerung gegangen ist. Denn nachdem der LieferMichel zunächst nur für drei Monate bis Ende 2023 unterwegs sein sollte, können sich die Bewohnerinnen und Bewohner in Rehbach und Würzberg nun zumindest noch bis Ende März 2024 von den Vorteilen von Drohnen auf der vorletzten Meile überzeugen.



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