Anafi Ai: Parrot präsentiert neue Drohne für kommerzielle Nutzung

Der biomimetische Formfaktor

„Eine Drohne, die neue Standards für Profis definiert.” Nicht mehr und auch keineswegs weniger lautet das Produktversprechen, das der französische Hersteller Parrot anlässlich der Präsentation der Anafi Ai abgab. Die neue Version der hauseigenen Drohnen-Plattform soll neben der bereits bei der Anafi USA in den Mittelpunkt gerückten Datensicherheit vor allem mit einer auf einem Schwenkkopf platzierten, omnidirektionalen Kamera punkten. Denn wenn es nach den Parrot-Entwicklern geht, wird der biomimetische Formfaktor zur Erfolgsformel für die neue Business-Drohne.

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Die sogenannte Bionik, also das Nachahmen evolutionärer Phänomene zur Optimierung technischer Errungenschaften, ist mittlerweile ein übliches Verfahren und weit verbreitet. So kündigte beispielsweise erst kürzlich die Lufthansa an, ihre Frachtflieger mit einer speziellen, der Haut von Haien nachempfundenen Folie bekleben und so den Strömungswiderstand – und in der Folge den Kerosinverbrauch – reduzieren zu wollen. Und auch bei Parrot ließ man sich bereits bei der Entwicklung der ersten Anafi-Drohne von der Natur beeinflussen. „Wir haben uns von Insekten inspirieren lassen”, erklärte CEO Henry Seydoux damals. „Der Dreiklang aus Kopf (Kamera), Thorax (Elektronik/Mechanik) und Abdomen (Batterie) ist stilbildend für Anafi.” (Lese-Tipp: Anafi – Parrot stellt neue Immer-dabei-Drohne vor)

Und nun also Anafi Ai. Auch hierbei hat man sich ganz offensichtlich von der Tierwelt inspirieren lassen. Denn das auffällige doppelte Kamerasystem („Stereokameras“) erinnert nicht zufällig an Insekten. Die beiden äußeren „Augen“ dienen dazu, dass sich die Drohne in jeder denkbaren Flugrichtung dreidimensional in ihrer Umgebung orientieren kann. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz soll so eine effiziente Hinderniserkennung gewährleistet werden. Doch auch die Hauptkamera zur Datengewinnung hat es in sich. Die 48-Megapixel-Kamera (4K, 60fps/HDR10) mit Quad Bayer Sensor bietet einen Dynamikumfang von 14 EV im HDR10-Modus. Laut Parrot soll es möglich sein, selbst bei wechselnden Lichtverhältnissen und bei Gegenlicht detaillierte Aufnahmen zu machen. Der sechsfache Digitalzoom soll zudem geeignet sein, noch aus bis zu 75 Meter Entfernung kleinste Details von 1 Zentimeter Größe erkennen zu können. Durch den Aufnahmebereich von +90 bis -90 Grad sind beispielsweise auch Aufnahmen unterhalb von Brückenkonstruktionen möglich, wie man es bereits von früheren Anafi-Versionen kennt. 

Apropos detaillierte Aufnahmen: Ein weiteres spannendes Feature ist die sogenannte „1-Click-Photogrammetry“.  Mit dieser Anwendung ist es möglich, auf dem Livebild einzelne Objekte durch simples anklicken zu markieren und die Drohne fliegt im Anschluss automatisiert eine entsprechende Route und fertigt die erforderlichen Aufnahmen an, aus denen eine photogrammetrische 3D-Darstellung auch größerer Areale errechnet wird. Der Trend, die Anafi-Plattformen auch ohne größere Vorkenntnisse als fliegende Werkzeuge für kommerzielle Einsatzzwecke nutzen zu können, wird bei der Anafi Ai durch die Erweiterung der SDK-Option (Software Development Kit) unterstrichen. So lässt sich nicht nur das ohnehin große Software-Partnerprogramm nutzen, Entwickler können während des Fluges benutzerdefinierte Codes in der Drohne ausführen lassen. Mittels des SDK (Ground SDK & Air SDK) kann auf alle Flugsensoren einschließlich Hinderniserkennung, Belegungsraster und Internetzugang zugegriffen werden, um individuelle Use Cases zu generieren. Parrot ist damit nach eigenen Angaben der erste Anbieter in der Branche, der seine Steuerungs-App zur Open Source macht.

Fast schon gewöhnlich mutet die neu konzeptionierte 4G-Modellsteuerung über das Mobilfunknetz an. Für Parrot jedoch bedeutet sie eine Abkehr von der bisherigen Übertragungstechnik. Damit können nicht nur BVLOS-Operationen (Beyond Visual Line of Sight) überall da durchgeführt werden, wo ein entsprechendes Telekommunikationsnetzwerk verfügbar ist und die lokalen Gesetze dies ermöglichen. Auch die räumlich dezentralisierte Flugsteuerung ist möglich. So können einzelne Operator Anafi Ai-Drohnen an verschiedenen Orten (gleichzeitig) einsetzen. Eine spezielle SIM-Karte ist nicht erforderlich, die 4G-Verbindung zwischen der Drohne und dem Smartphone des Benutzers – im Skycontroller 4 finden alle gängigen Smartphone-Formate und auch kleinere Tablets Platz – ist verschlüsselt, sodass sowohl die Integrität der Software als auch die übertragenen Daten geschützt sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die 320 x 440 x 118 Millimeter messende Drohne lässt sich für den Transport auf ein handlicheres Format (304 x 130 x 118 Millimeter) einklappen und bringt nach Herstellerangaben 898 Gramm auf die Waage. Die maximale Flugzeit wird mit 32 Minuten angegeben. Die Anafi Ai soll in der zweiten Jahreshälfte verfügbar sein, ein Verkaufspreis in Deutschland wurde noch nicht offiziell bekannt gegeben.



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