Anafi – Parrot stellt neue Immer-dabei-Drohne vor

Anafi – Size matters. Das glaubt auch Henri Seydoux, Gründer und CEO des französischen Drohnenherstellers Parrot. Doch während man dabei im Allgemeinen daran denkt, dass etwas besonders groß sein solle, ist Seydoux eher vom Gegenteil überzeugt. „Das effizienteste Geschöpf der Evolution ist ein kleiner Vogel”, erzählt er in entspanntem Plauderton beim Gespräch in seinem Pariser Büro. Doch natürlich geht es ihm nicht wirklich um Spatz oder Schwalbe. Es geht um Anafi, die neue Immer-Dabei-Drohne von Parrot, die ab dem 01. Juli 2018 erhältlich sein wird.

Die Analogie zur Natur kommt jedoch nicht von ungefähr. Denn auch wenn Anafi den Namen einer kleinen griechischen Kykladen-Insel trägt, so ist ihr Design aus der Tierwelt abgeleitet. „Wir haben uns von Insekten inspirieren lassen”, erklärt der Ingenieur, der seit Unternehmensgründung im Jahr 1994 an der Spitze von Parrot steht. „Der Dreiklang aus Kopf (Kamera), Thorax (Elektronik/Mechanik) und Abdomen (Batterie) ist stilbildend für Anafi.” Lediglich 320 Gramm bringt die faltbare Drohne auf die Waage, die Größe bewegt sich zwischen 244 x 67 x 65 Millimeter (Packmaß) und 175 x 240 x 65 Millimeter (flugfertig). Das Fluggeräusch ist laut Hersteller deutlich leiser als viele Wettbewerber und die angegebene Flugzeit von 25 Minuten (unter Laborbedingungen) durchaus beachtlich.

Key Feature

In der zweijährigen Entwicklungsphase hat sich das Team der Parrot-Ingenieure nicht weniger als die Schöpfung einer neuen Generation von Drohnen vorgenommen. Dabei stand das im Blickpunkt, was man als Kernanforderungen der Nutzer ausgemacht hat, egal ob Profis oder Hobby-Flieger: Foto-/Video-Qualität, Flugperformance, Faltbarkeit und Einfachheit in der Handhabung. „Ich glaube daran, dass der künftige Erfolg von Drohnen davon abhängt, sie kleiner zu machen”, bringt es Henri Seydoux auf den Punkt. „Zudem beziehen sich 90 Prozent aller Anwendungen darauf, Fotos und Videos zu machen. Aufnahmequalität ist also das Key Feature jeder Drohne.” Und hier hat man sich bei Parrot fürs Klotzen entschieden. 4K-HDR-Kamera, Sony IMX230-Sensor mit 21 Megapixeln und verlustfreiem, 2,8-fachem Zoom. Beim Dreiachs-Gimbal werden mechanische und digitale Stabilisierungssysteme clever kombiniert. Ein besonderer Clou ist aber die um volle 180 Grad vertikal bewegliche Kamera, mit der jederzeit Aufnahmen ohne störende Propeller im Bild gelingen. Apropos Aufnahmen: im Lieferumfang ist neben dem Kokon-artigen Transportcase eine 16-Gigabyte-SD-Karte enthalten, auf der die Fotos und Videos abgespeichert werden. Und das auf Wunsch sogar im RAW- sowie LogView-Format.

Die Handhabbarkeit ist Parrot-üblich absolut idiotensicher. Per Startknopf wird die Drohne automatisch auf Sicherheitshöhe gebracht und bleibt dort stehen, bis die ersten Steuerungssignale des Senders erfolgen. Der Skycontroller 3 ist bewusst einfach gehalten und orientiert sich wieder mehr an klassischen Gamepads. Ein besonderer Clou: Controller und Drohne binden sich nach dem Einschalten automatisch, eine Bindeprozedur scheidet als frustrierende Fehlerquelle für Neueinsteier aus. Die Steuerung ist denkbar einfach, die Drohne reagiert recht feinfühlig auf die Steuerbefehle. Wird man dennoch mal unsicher, einfach die Hände von den Knüppel nehmen und Anafi verharrt mit äußerst geringer Verzögerung auf der Stelle. Der „Coming Home”-Button gepaart mit dem bereits angesprochenen Start-Lande-Knopf macht auch aus der sicheren Rückkehr zum Boden ein Kinderspiel.

FreeFlight 6

Neben der Entwicklung der Anafi-Drohne flossen auch viele Ideen und Ressourcen in die Konzeptionierung und Programmierung der dazugehören FreeFlight 6-App. Ist diese auf das Smartphone geladen und dieses zunächst in der Klemmvorrichtung am Skycontroller 3 fixiert sowie anschließend per schlichtem USB-Kabel mit dem mobilen Endgerät verbunden, erwacht Anafi über die App erst so richtig zum Leben. Hier können Anwender zwischen dem agileren Sport- sowie dem wesentlich ausbalancierterem Film-Mode wählen. In der sportlicheren Gangart soll die Drohne bis zu 55 Stundenkilometer erreichen und auch Windböen bis zu 50 km/h wegstecken können. Im Film-Modus wiederum sind die Bewegungen bewusst abgebremst, sodass Kameraschwenks harmonischer gelingen, die Bildführung stabiler bleibt. Zudem können Piloten auch die beiden Modes noch einmal individualisieren, in dem Parameter wie Flug- oder Rotationsgeschwindigkeit per Schieberegler den eigenen Wünschen angepasst werden können. Dazu kommen noch diverse clevere Effekt-Möglichkeiten, die mit etwas Übung die langwierige Nachbearbeitung einzelner Sequenzen überflüssig machen können. Besonders der so genannte Dolly-Zoom („Vertigo-Effekt”) weiß zu gefallen und ermöglicht Special Effects á la Hitchcock und Kubrick.

„Mit Anafi”, das wird Parrot-Chef Seydoux während des Gesprächs in der Firmenzentrale in der französischen Hauptstadt nicht müde zu betonen, „geben wir den Kunden alles, was sie wollen: eine kleine, in sekundenschnelle einklappbare Drohne mit 4K-Kamera, die absolut einfach zu handhaben ist.” Auf den ersten Blick macht Anafi, die ab sofort vorbestellbar ist und ab dem 01. Juli 2018 ausgeliefert werden soll, tatsächlich einen wirklich sehr guten Eindruck. Ein cleveres, allerdings auch nicht komplett unbekanntes Design-Konzept gepaart mit einer hochwertigen Kamera und den wirklich Einsteiger-tauglichen Flugeigenschaften sind Pfunde, mit denen gewuchert werden kann. Und auch muss. Denn der Preis von 699,- Euro erscheint nach erster Inaugenscheinnahme zwar angemessen. Ob das Gesamtpaket ausreicht, den Widersachern nach schweren Jahren wieder Marktanteile streitig zu machen und in die Phalanx des breit aufgestellten Portfolios von Branchenprimus DJI einzudringen, bleibt abzuwarten.

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