Nachgefragt bei Michael Buthut, Head of brigkAIR

Accelerator-Programm

Wie sehr moderne Gesellschaften mittlerweile vom Internet abhängig sind, das bemerkt man immer dann besonders eindrücklich, wenn man nicht darauf zugreifen kann. Gerade im Katastrophenfall oft ein handfestes Problem. Mit einem neuen Accelerator-Programm möchte der bayerische Start-up-Inkubator für dreidimensionale Mobilität brigkAIR Lösungen unterstützen, die eine funktionierende Infrastruktur auch ohne Zugriff aufs World Wide Web sicherstellen sollen. Was das Ganze mit dem Internet-Vorläufer ARPANET zu tun hat, weiß Michael Buthut, Head of brigkAIR. Drones fragt nach.

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Drones: Das sogenannte ARPANET ist der Vorläufer des modernen Internets und wirkt daher – zumindest oberflächlich betrachtet – technisch zunächst einmal etwas „old fashioned“. Warum ist es dennoch sinnvoll, die Idee des „Advanced Research Projects Agency Network“ in die heutige Welt zu übertragen? 

Michael Buthut: Der Grundgedanke des ARPANET besteht darin, unterschiedliche Standorte zu vernetzen und ausfallsicherer zu machen. Das moderne Internet hingegen ist heutzutage allgegenwärtig. Wir haben uns durch diese Verfügbarkeit davon abhängig gemacht und setzen voraus, dass alles genauso funktioniert, wie wir es gewohnt sind. Wenn allerdings das Gegenteil eintritt und wichtige Infrastruktur plötzlich nicht mehr funktionstüchtig ist oder es gar keinen Zugang geben sollte, haben wir ein Problem. Wir sind in unseren Gewohnheiten stark eingeschränkt. Die ursprüngliche Ausfallsicherheit und damit verbundene Unabhängigkeit des ARPANET kann unserer Meinung nach auf ein neues Level gehoben werden.

Das brigkAIR Accelerator-Programm entstand vor dem Hintergrund der Erfahrungen in den von den Starkregenereignissen des Sommers 2021 betroffenen Gebieten in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Welche konkreten Verbesserungen in der Krisenbewältigung erhoffen Sie sich?

In dem Fallbeispiel Ahrtal hat man gesehen, wie abhängig die Menschheit von funktionierender Infrastruktur und Software ist. Durch das Hochwasser war auch der Mobilfunk nicht mehr oder nur eingeschränkt verfügbar, weshalb die Menschen in den betroffenen Regionen komplett von der Außenwelt abgeschnitten waren. Das Gleiche ist auch in anderen Krisenregionen der Fall. Erst mit viel Aufwand können eine grundlegende Infrastruktur und Softwarelayer etabliert und aufgebaut werden, damit moderne Messenger oder andere Dienste verfügbar sind. In unserer Vision sehen wir eine Art „Koffer“, welcher aufgestellt wird und auf Knopfdruck passieren all die notwendigen Schritte auf Hardware- aber auch Softwareseite. Dadurch können alle Teilnehmenden mit modernen Services ausgestatten werden. Wenn nötig auch als Insellösungen für einen begrenzten Teilnehmerkreis. Es soll dabei kein Profiwissen notwendig sein, sondern die Lösung soll sich weitestgehend agnostisch selbst einrichten. 

Nicht nur in Katastrophenfällen, auch in dünn besiedelten Gebieten, unter schwierigen geografischen Begebenheiten oder schlicht für autarke, gegen Eingriffe von außen geschützte Projektabläufe können vom Internet unabhängige Kommunikations- und Steuerungsprozesse wichtig sein. Wie sehr kann die Drone-Economy im Allgemeinen von der durch das Accelerator-Programm geförderten Technik profitieren?

Drohnen sind sowohl im zivilen als auch militärischen Umfeld im Einsatz. Bei beiden Ausprägungen können die jeweiligen Kampagnen in Regionen stattfinden, die kaum bestehende Infrastruktur aufweisen. Allerdings sammeln die Drohnen mit ihren modernen Sensoren enorme Datenmengen, die sie ohne Internet und weitere Infrastruktur erst einmal lokal speichern müssten. Zusätzlich kann es während einer Mission dazu kommen, dass Anpassungen vorgenommen werden müssen – auch hierfür ist das Internet notwendig. Kurz gesagt: Die Drohne ist ein mobiler Teilnehmer in einem größeren Verbund und muss sich flexibel an sich verändernde Einflüsse anpassen. Zudem kann es aus Datenschutz- oder Geheimhaltungsgründen notwendig sein, über eine eigene Lösung zu kommunizieren und Daten auszutauschen. Noch komplexer wird das Ganze, wenn sich mehrere Drohnen im Schwarm koordinieren müssen. Auch hier benötigen sie eine gemeinsame, agnostische und bedarfsoptimierte Plattform. Über das öffentliche Internet ist dies nicht darzustellen.

Als Start-up-Inkubator richtet sich brigkAIR an Unternehmen, die an Lösungen für die unbemannte Luftfahrt beziehungsweise dreidimensionale Mobilität arbeiten. Inwiefern ist das neue Accelerator-Programm auch der Versuch, mit Blick auf zukünftige Entwicklungen neue Themenfelder für brigk zu erschließen und in Ingolstadt zusammenzubringen? 

Das Hauptthema für brigkAIR ist nach wie vor die Unterstützung von Start-ups aus dem Bereich der dreidimensionalen Mobilität, immer mit dem Ziel das nächste Einhorn, die nächsten Zebras in der Region zu haben, Arbeitsplätze zu schaffen und Steuereinnahmen zu generieren. Dabei sind wir stetig auf der Suche nach möglichen neuen Feldern, da uns das Zusammenbringen von unterschiedlichen Bereichen reizt, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber beim genauen Hinsehen den Unterschied ausmachen können.

 

Lese-Tipp

Dieses Interview ist auch in Drones 2/2022 erschienen. Diese und alle weiteren noch erhältlichen Ausgaben des Magazins für die Drone-Economy sind unter www.drones-magazin.de/shop erhältlich.



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