Everdrone-Drohne rettet Leben

Erfolgreiche Defibrillator-Lieferung in Schweden

Ein zufällig vorbeifahrender Arzt sowie ein per Drohne gelieferter Defibrillator: Der Schutzengel des 71-Jährigen Rentners, der im vergangenen Dezember mit einem plötzlichen Herzstillstand im schwedischen Trollhättan zusammenbrach, hatte offenbar genau die richtige Idee. Nach Angaben des Drohnenbetreibers Everdrone war dies weltweit das erste Mal, dass ein per UAV gelieferter Defibrillator erfolgreich eingesetzt wurde, um das Leben eines Menschen zu retten.

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In medizinischen Notfällen zählt oft jede Sekunde, um das Leben von Patientinnen und Patienten zu retten und bleibende Schäden zu verhindern. Besonders in ländlichen Regionen, wo das Eintreffen von Rettungskräften in der Regel länger dauert als in urbanen Ballungsgebieten, kommt daher oft jede Hilfe zu spät. Die schnelle Auslieferung eines automatisierten externen Defibrillators (AED) per Drohne ist daher Gegenstand einiger Entwicklungsprojekte. Erst kürzlich stellte beispielsweise die Initiative Horyzn an der TU München einen entsprechenden Drohnen-Prototyp vor. (Lese-Tipp: „Mission Pulse“: Flugvorführung von Drohnen-Prototyp)

Medizinische Studie

Einen Schritt weiter ist das schwedische Unternehmen Everdrone. Bereits im Sommer 2020 wurde in Zusammenarbeit mit der Notrufzentrale SOS Alarm und dem Zentrum für Reanimationswissenschaft am renommierten Karolinska Institut eine medizinische Studie in einem Außenbezirk von Göteborg durchgeführt. Dabei wurde erprobt, wie Drohnen bei der Erstversorgung von Patientinnen und Patienten mit einem sogenannten „out-of-hospital cardiac-arrest“ (OHCA, Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses) eingesetzt werden können. Geht ein entsprechender Notruf bei SOS Alarm ein, werden zeitgleich die Rettungskräfte informiert und die Drohne auf die Reise geschickt. Trifft das unbemannte System am Einsatzort ein, wird der Defibrillator aus einer Höhe von 30 Metern per Seilwinde heruntergelassen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notrufzentrale geben telefonisch Anweisungen für die korrekte Wiederbelebung, bis die alarmierten Rettungskräfte eintreffen.

Im Falle des Rentners aus Trollhättan, der am Morgen des 09. Dezember beim Schneeschippen in der Einfahrt seines Hauses zusammenbrach, war ein ausgebildeter Ersthelfer zwar zufälligerweise vor Ort. Der per Drohne gelieferte AED trug jedoch wesentlich dazu bei, dass der Mann nicht „nur“ überlebte, sondern sich auch schnell und vollständig erholen konnte. „Ich war auf dem Weg zur Arbeit im örtlichen Krankenhaus, als ich aus dem Autofenster schaute und einen Mann in seiner Einfahrt zusammenbrechen sah“, erinnert sich Ersthelfer Dr. Mustafa Ali, der ohne zu zögern das Richtige tat. „Ich begriff sofort, dass etwas nicht stimmte und eilte hin, um zu helfen. Der Mann hatte keinen Puls, also begann ich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung und bat einen Passanten, die 112 zu wählen [auch in Schweden ist die 112 die Notrufnummer, Anm. d. Red.]. Wenige Minuten später sah ich etwas über meinem Kopf fliegen. Es war eine Drohne mit einem Defibrillator.”

Überlebenschancen erhöhen

Die Kombination aus der schnellen Hilfe sowie der prompten Alarmierung des Rettungsdienstes hatte wesentlichen Anteil daran, dass Schlimmeres verhindert werden konnte. Die Zeit vom Notruf bis zur sicheren Zustellung des AED direkt an die Notfalladresse betrug dabei nur etwas mehr als drei Minuten. Nach Angaben von Everdrone sind pro Jahr etwa 275.000 Menschen in Europa von einem Herzstillstand betroffen, der sie außerhalb eines Krankenhauses oder einer anderen medizinischen Einrichtung ereilt. Die Überlebensrate betrage lediglich etwa 10 Prozent. Untersuchungen legten jedoch nahe, dass diese auf bis zu 70 Prozent ansteigen könnte, wenn innerhalb der ersten Minuten eine Herz-Lungen-Wiederbelebung eingeleitet wird und eine schnelle Defibrillation erfolgt. Oder anders gesagt: Mit jeder Minute, die nach dem Zusammenbruch verstreicht und in der kein rettender Stromimpuls abgegeben wird, sinken die Überlebenschancen um 7 bis 10 Prozent.

Während Dr. Mustafa Ali sowie alle anderen Anwesenden direkt in der Notfallsituation den wesentlichen Anteil mitbekamen, den die Everdrone-Drohne an der erfolgreichen Ersthilfe hatte, wurde dem Patienten von damals natürlich erst später klar, wie ein unbemanntes Flugsystem ihm geholfen hat. „Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für diese neue Technologie und die schnelle Lieferung des Defibrillators bin. Ohne die Drohne wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier“, sagt der 71-jährige Patient, der sich vollständig erholt hat und wieder zu Hause ist. „Das ist eine wirklich revolutionäre Technologie, die überall eingesetzt werden muss. Plötzliche Herzstillstände können jeden betreffen, nicht nur alte Menschen mit Arteriosklerose.“

Fotos: Everdrone


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