Wie auf den Leib geschneidert

Case Stude: Teilautomatisierte Überprüfung von Stromleitungen

Anlagen der Energieversorgung gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen daher – nicht zuletzt aus Sicherheitsgründen – stets gut gewartet und funktionsfähig sein. Doch egal ob Gaspipeline oder Stromtrasse, bislang werden die kilometerlangen Leitungen regelmäßig terrestrisch sowie in größeren Abständen per Helikopter überwacht. Doch das geht auch anders. Denn solche Aufgaben sind automatisiert agierenden Drohnen wie auf den Leib geschneidert, was ein Testflug im Auftrag des Netzbetreibers ED Netze vor Kurzem einmal mehr bestätigte.

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Alle zwei Jahre ist für die Zustandskontrolle von Stromtrassen ein Hubschraubereinsatz vorgeschrieben. Einmal im Jahr jedoch müssen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des baden-württembergischen Netzbetreibers ED Netze sämtliche 110-Kilovolt-Freileitungen vom Boden aus inspizieren. Kein leichtes Unterfangen, wie Wolfgang Hallensleben von ED Netze weiß: „Vom Boden aus ist die Kontrolle in dem teils unwegsamen und stark bewaldeten Gebiet sehr mühsam.” Dementsprechend zufrieden war der Projektleiter daher am Ende eines reibungslosen Testflugs in der Nähe der Schweizer Grenze, bei dem die Leitungen auf einer 27 Kilometer langen Strecke zwischen Zollhaus (Blumberg) und Neustadt mit Hilfe einer teilautomatisierten Drohne inspiziert wurden. „Alles hat funktioniert“, fiel das Fazit von Wolfgang Hallensleben durchweg positiv aus. „Die Drohne bietet einen perfekten Rundumblick auf alle Bauteile.”

Erfahrungswerte

Dass derartige Flüge außerhalb der Sichtweite des Drohnenbetreibers (Beyond Visual Line Of Sight, BVLOS) technisch möglich sind, ist längst kein Geheimnis mehr. Nichtsdestotrotz ist dafür natürlich ein komplexes Genehmigungsverfahren obligatorisch. Im konkreten Fall zeichnete dafür das Unternehmen FlyNex verantwortlich, das in den vergangenen beiden Jahren bereits wiederholt erfolgreich Stromtrassenbefliegungen koordinieren konnte. Erfahrungswerte, die sich auch in Südbaden auszahlten. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden war angenehm und zielführend“, bilanzierte Frank Lochau, verantwortlicher Drone Operations Solutions Manager bei FlyNex.

Den BVLOS-Flug absolvierte der eingesetzte Oktokopter des Typs Ceptor von Globe UAV weitgehend automatisiert. Betreiber Jörg Brinkmeyer griff im Kontrollzentrum lediglich dann ein, wenn während des rund dreistündigen Einsatzes – der nur kurz von geplanten Akku-Wechseln an vorher festgelegten Landeplätzen entlang der Flugroute unterbrochen wurde – einzelne Bauelemente der rund 100 Strommasten oder Abschnitte der Freileitungen besonders detailliert inspiziert werden sollten. Sämtliche Statusinformationen, Umweltdaten und das Live-Video der integrierten Kamera sendete die Drohne über das Mobilfunknetz zum ED-Netze-Stützpunkt im Blumberger Ortsteil Zollhaus. Für den Fall eines möglichen Verbindungsabrisses hatte man vorgesorgt und festgelegte Landepunkte programmiert, auf der das unbemannte System bei einem Verlust der Mobilfunkverbindung automatisiert gelandet wäre. Für zusätzliche Sicherheit waren zudem zwei Fallschirme an Bord.

Erweiterung der UAV-Nutzung

Für ED Netze bedeutet der erfolgreiche BVLOS-Testflug perspektivisch die Erweiterung der UAV-Nutzung. Denn bislang setzt das Unternehmen, das acht ausgebildete Drohnenpiloten beschäftigt, unbemannte Systeme „nur“ im Sichtbetrieb ein, um ganz gezielte Inspektionen durchzuführen. Doch nach den jüngsten Erfahrungen dürfte es nicht dabei bleiben. Schließlich eröffnen sich dadurch völlig neue Optionen, die Leitungsüberprüfungen zu optimieren oder auch auszuweiten, um die Netzsicherheit weiter zu verbessern. „Wir erhoffen uns durch diesen innovativen Ansatz zukünftig eine noch effizientere und nachhaltigere Instandhaltung von Freileitungen“, gibt Markus Linder, Leiter Hochspannungsanlagen und Sekundärtechnik bei ED Netze, die Richtung vor.

Fotos: ED Netze GmbH



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