Rover Idefix auf dem Weg zum Marsmond Phobos

Die Erkundung des Marssystems tritt in eine neue Phase. Am 19. Oktober 2026 um 21:41 Uhr MESZ ist die japanische Raumsonde MMX (Martian Moons eXploration) an Bord einer H3-Trägerrakete vom Tanegashima Space Center erfolgreich gestartet. Mit an Bord: der deutsch-französische Rover Idefix®, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die französische Raumfahrtagentur CNES gemeinsam entwickelt und gebaut haben. Er soll etwa zum Jahreswechsel 2028/2029 als erster Lander in der Geschichte der Raumfahrt auf dem Marsmond Phobos landen und dessen Oberfläche für 100 Tage erkunden. Die MMX-Muttersonde wird anschließend selbst auf dem größeren der beiden Marsmonde landen, um erstmals Proben aus dem Marssystem zur Erde zu bringen. MMX ist die bisher größte Mission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA ins Sonnensystem.
„Mit dem Rover Idefix® schicken Deutschland und Frankreich ein Stück europäischer Robotik-Kompetenz auf eine außergewöhnliche Forschungsreise“, sagt Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. „Idefix® wird sich auf einem Himmelskörper bewegen, dessen geringe Schwerkraft kaum mit der irdischen vergleichbar ist. Die Mission verbindet technologische Pionierarbeit mit grundlegenden Fragen zur Entstehung unseres Sonnensystems und zeigt die Stärke internationaler Zusammenarbeit.“
Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, ergänzt: „Der erfolgreiche Start der MMX-Mission mitsamt dem Rover Idefix® freut mich sehr. Der Raumfahrtstandort Deutschland zeigt eindrücklich, was er kann: hochpräzise Technik, die in den Weiten des Alls auf dem Marsmond Phobos noch perfekt funktionieren muss. Dass das DLR gemeinsam mit der französischen Raumfahrtagentur CNES einen wesentlichen Beitrag zu dieser Mission leistet, macht mich besonders stolz. Japan, Deutschland und Frankreich – JAXA, DLR und CNES – treiben gemeinsam die Exploration unseres Sonnensystems voran. Gleichzeitig betreten wir mit Idefix® auch technologisches Neuland – das ist Hightech Hand-in-Hand.“
Ein Sprung ins Ungewisse: Landen und fahren bei extremer Mikrogravitation
Der spannendste Moment der Mission erwartet das Team etwa zum Jahreswechsel 2028/2029: MMX wird Idefix® aus einer Höhe von etwa 40 bis 100 Metern über Phobos ausklinken. Nach dem ungebremsten Aufprall, Abprall und daraus resultierenden Sprüngen auf der Oberfläche richtet sich der Rover eigenständig aus der Ruhelage auf, entfaltet seine Solarpaneele und beginnt seine 100-tägige Erkundungsfahrt.
Die Umweltbedingungen stellen dabei extreme Anforderungen an die Technik: Die Schwerkraft auf Phobos beträgt weniger als ein Tausendstel der Erde, zudem schwanken die Temperaturen im Sieben-Stunden-Tagesrhythmus um mehr als 200 Grad Celsius.
„Auf Phobos zu landen und zu fahren ist absolutes robotisches Neuland“, erklärt Prof. Markus Grebenstein, DLR-Projektleiter für Idefix®. „Konstruktiv benötigt dies einen extremen Leichtbau – bei gleichzeitiger Robustheit. Zudem erfordern die langen Signallaufzeiten zur Erde völlig neue Ansätze bei der Steuerung des Rovers. Unsere erste Bewährungsprobe wird das Aufrichten in dieser unbekannten Umgebung aus einer beliebigen Position sein.“
Idefix® soll unterschiedliche Bereiche von Phobos untersuchen und Erkenntnisse über die mechanischen, thermischen und mineralogischen Eigenschaften der Oberfläche sammeln. Dafür sind auch zwei Instrumente des DLR an Bord: das Ramanspektrometer RAX und das Radiometer miniRAD. Seine Messungen liefern zugleich Informationen für die Auswahl einer geeigneten Landestelle und die spätere Probenentnahme der MMX-Muttersonde.
Missionsvorbereitung und Roverbetrieb am DLR in Köln
Am Kontrollzentrum im Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) des DLR in Köln laufen die Vorbereitungen für den Betrieb von Idefix® auf Hochtouren. Nach dem Start liegt der Schwerpunkt zunächst auf der Flugphase zum Mars. Während dieser Zeit bleibt der Rover an der MMX-Raumsonde angedockt. Das MUSC plant und erstellt abwechselnd mit dem Kontrollzentrum in Toulouse gemeinsam mit dem deutsch-französischen Rover-Team die Steuerungssequenzen für regelmäßige Gesundheitschecks, Instrumentenkalibrierungen und Wartungsmaßnahmen, beispielsweise das Laden der Batterie. Auch ein Software-Update ist im Flug vorgesehen.
Während der Reise der MMX-Sonde zum Marssystem bereiten sich Forschungs- und Betriebsteam auf die Erkundung von Phobos vor: Sie entwickeln Betriebsabläufe, führen Tests durch und trainieren die späteren Abläufe.
MMX soll das Rätsel der Marsmonde lösen
Die MMX-Mission soll eine zentrale Frage der Planetenforschung beantworten: Wie sind die beiden Marsmonde Phobos und Deimos entstanden? Sind sie Asteroiden, die von der Schwerkraft des Mars eingefangen wurden, oder entstanden sie aus Trümmern gewaltiger Einschläge auf dem Planeten? Beide Monde sind unregelmäßig geformt und mit Durchmessern von maximal 27 Kilometern (Phobos) beziehungsweise maximal 15 Kilometer (Deimos) vergleichsweise klein. Ihre Entstehungsgeschichte könnte wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung des Marssystems und die Prozesse der Planetenentstehung insgesamt liefern.
Nach der Ankunft im Sommer 2027 wird die MMX-Sonde die Marsmonde zunächst mit acht wissenschaftlichen Instrumenten aus der Umlaufbahn untersuchen. Nach dem Absetzen von Idefix® auf Phobos soll die Raumsonde auch selbst landen, mindestens zehn Gramm Bodenproben aufnehmen und diese in einer Rückkehrkapsel 2031 zur Erde bringen. Erstmals könnten damit Proben eines Marsmonds in irdischen Laboren untersucht werden.
Dr. Yasuhiro Kawakatsu, MMX-Projektleiter bei der JAXA: „Als ich die Rakete H3F10 in den Himmel steigen sah, gingen meine Gedanken zurück zu den Anfängen dieses Projekts vor mehr als einem Jahrzehnt. Mit der Rakete startete ein Raumfahrzeug, das von einem internationalen Team mit einer gemeinsamen Vision entworfen und gebaut wurde. Gemeinsam haben wir eine Mission von Weltklasse geschaffen und eine beispiellose Reihe wissenschaftlicher Instrumente zusammengestellt, um die Marsmonde zu erforschen. Der Rover Idefix®, der gemeinsam von DLR und CNES entwickelt wurde, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Mission. Als erstes Fahrzeug, das den Einsatz auf der Oberfläche eines Marsmondes wagt, wird es einzigartige Einblicke zu Phobos liefern und dabei helfen, eine der größten Herausforderungen der Mission vorzubereiten: die Entnahme einer Probe von dessen Oberfläche. Um diesen Moment zu erreichen sind Ausdauer, Innovationskraft und vor allem eine enge Zusammenarbeit zwischen Partnern auf der ganzen Welt erforderlich. Wir haben gemeinsam viele Herausforderungen gemeistert, und ich freue mich auf die Entdeckungen auf der Reise zum Phobos, die uns erwarten.“
Von Hayabusa2 zu MMX: internationale Zusammenarbeit
Mit MMX setzen JAXA, CNES und DLR ihre erfolgreiche Zusammenarbeit in der Erforschung kleiner Himmelskörper fort. Bereits 2018 setzte der deutsch-französische Lander MASCOT im Rahmen der japanischen Mission Hayabusa2 auf dem Asteroiden Ryugu auf. Die Sonde brachte 2020 Proben des Asteroiden zur Erde zurück. Idefix® baut auf diesen Erfahrungen auf und erweitert sie um eine neue Fähigkeit: Während sich MASCOT hüpfend fortbewegte, rollt mit Idefix® erstmals ein Lander zur Erkundung über die Oberfläche eines Himmelskörpers mit extrem geringer Schwerkraft.
Über die Mission MMX und den Rover Idefix®
MMX (Martian Moons eXploration) ist eine Mission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA zur Untersuchung der Marsmonde Phobos und Deimos sowie zur Rückführung von Bodenproben von Phobos. Der deutsch-französische Rover Idefix® wurde unter gemeinsamer Verantwortung des DLR und der CNES entwickelt. Er soll die Oberfläche von Phobos erkunden und wissenschaftliche Daten für die Mission liefern. Nach dem Start der MMX-Mission wird der Rover von Kontrollzentren der CNES in Toulouse (Frankreich) und des DLR in Köln betrieben.
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