Modellflugverbände fordern Ausnahmen von praxisfremden Sicherheitsauflagen

Ein neuer Regulierungsentwurf der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) bedroht den traditionellen Modellflug in Europa durch praxisfremde Technikpflichten. Die Notice of Proposed Amendment (NPA 2026-103) soll primär der Abwehr unkooperativer Drohnen dienen, fordert nach aktuellem Stand jedoch auch für klassische Flugmodelle ab 100 Gramm Gewicht elektronische Startverhinderungssysteme, eine direkte Fernidentifizierung sowie Geo-Awareness ab 250 Gramm.
Rund 500.000 Modellflieger in der Europäischen Union, darunter etwa 150.000 in Deutschland, blicken mit großer Sorge auf diese Vorgaben, da sie für Eigenbauten, Schaummodelle oder den Freiflug technisch kaum umsetzbar und unverhältnismäßig teuer sind. Hintergrund der EASA-Initiative ist ein sicherheitspolitisch und militärisch motivierter Aktionsplan der EU-Kommission zur Abwehr krimineller Bedrohungen über kritischer Infrastruktur. Das Problem liegt in einer pauschalen Rasenmähermethode, die Instrumente zur Überwachung des gefährdeten Luftraums undifferenziert auf den Modellflug überträgt.
Dabei betreiben Modellflieger ihre Fluggeräte ausnahmslos auf Sicht im Nahbereich und stellen nachweislich kein Sicherheitsrisiko dar. Bei Vorfällen über sensiblen Zonen wurden verbandlich organisierte Modellflieger noch nie als Verursacher festgestellt. Trotz der ernsthaften Lage zeigt sich im Vergleich zu früheren Verfahren eine positive Dynamik, da sowohl das Bundesverkehrsministerium als auch die EASA den Argumenten des Modellflugs aufgeschlossen gegenüberstehen. Der Deutsche Modellflieger Verband (DMFV), die European Model Flying Union (EMFU) und weitere Partnerverbände agieren mit geschlossener Stimme auf politischer Ebene.
Nach einem persönlichen Gespräch mit DMFV-Präsident Hans Schwägerl richtete der EU-Abgeordnete Markus Ferber bereits ein deutliches Mahnschreiben an den zuständigen EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas. Ergänzend sind für Herbst ein hochrangiges Treffen mit der EU-Verkehrskommission (DG MOVE) sowie ein EASA-Workshop angesetzt. Auch das Bundesverkehrsministerium hat seine Unterstützung zugesagt.
Der Modellflug ist seit Jahrzehnten ein etablierter Breitensport und eine unverzichtbare Keimzelle für den technischen Nachwuchs in Ingenieur- und Luftfahrtberufen. Die Verbände fordern von der Politik eine vollständige Befreiung von untauglichen Technologie-Auflagen sowie eine rechtssichere Verankerung, die den Betrieb in gewohnter Weise auch in Zukunft garantiert. Bis zur Veröffentlichung der offiziellen EASA-Stellungnahme im September 2026 sehen die Verbände berechtigte Hoffnung auf einen sachgerechten Kompromiss.
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