Experte sieht Übernahme­welle im AgriTech: Spezialisierung schlägt Größe - Drones

Experte sieht Übernahme­welle im AgriTech: Spezialisierung schlägt Größe

Der AgriTech-Markt zeigt trotz rückläufiger Finanzierungsrunden neue Dynamik. Laut dem aktuellen Global AgriFoodTech Investment Report von AgFunder belief sich das weltweite Investitionsvolumen in Agrar- und Lebensmitteltechnologien 2025 auf 16,2 Milliarden US-Dollar und lag damit drei Prozent unter dem Vorjahreswert. Hinter der stabilen Gesamtsumme verschiebt sich jedoch der Fokus: Während die Zahl der Finanzierungsrunden gegenüber 2024 um zwölf Prozent sank, stiegen die Investitionen in Technologien für Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und biologische Forschung im selben Zeitraum um sieben Prozent auf neun Milliarden US-Dollar. 1 Das deutet sehr stark darauf: Kapital fließt selektiver, aber gezielter in Lösungen, die konkrete Probleme der Agrarwirtschaft adressieren. Viele Anwendungen in Sensorik, Robotik, biologischen Wirkstoffen oder Datenplattformen sind inzwischen nicht mehr nur Zukunftsversprechen, sondern kommen im praktischen Einsatz an. Gleichzeitig erhöhen steigende Kosten, Wetterextreme, Arbeitskräftemangel und strengere Nachweispflichten den Handlungsdruck in der Landwirtschaft. Für strategische Käufer wird es dadurch attraktiver, solche Fähigkeiten zu übernehmen, statt sie über Jahre selbst aufzubauen. Wer im AgriTech-Markt einen Exit anstrebt, findet derzeit vor allem über einen Unternehmensverkauf realistische Möglichkeiten: CropLife erfasste im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 25 AgriTech-Exits – sämtliche als M&A-Transaktionen. 2 „Große Agrar- und Industriekonzerne suchen beispielsweise nach spezialisierter Sensorik, Robotik, biologischen Wirkstoffen oder Datenlösungen, die ihr bestehendes Angebot gezielt ergänzen“, erläutert Firat Köker, M&A-Berater und Executive Director bei ox8 Corporate Finance. Eine klare Spezialisierung kann Unternehmen hierbei helfen, für potenzielle Käufer überhaupt erst interessant zu werden. „Wenn eine Lösung schwer zu kopieren ist, sich in vorhandene Systeme integrieren lässt und ein konkretes Problem löst, wird die enge Spezialisierung zum Vorteil.“ Welche Anbieter davon profitieren, hängt laut Köker allerdings davon ab, was sie in ihrem jeweiligen Teilmarkt bereits nachweisen können.

Von Drohnenbildern bis zu Biologicals: Diese Technologien sind gefragt

Die jüngsten Transaktionen zeigen, welche Technologien besonders gefragt sind. John Deere übernahm mit Sentera einen Anbieter für Drohnenbildanalyse und Agronomie-Software und stärkte sich mit GUSS Automation bei autonomen Sprühsystemen. Kubota erwarb mit Bloomfield Robotics eine KI-Lösung zur systematischen Pflanzenbeobachtung. Im Bereich Agricultural Biotech sicherten sich BASF, Syngenta und Corteva durch Übernahmen biologische Wirkstoffe, geschützte Technologien und spezialisierte Forschungskompetenz. Gemeinsam ist diesen Beispielen: Käufer investieren gezielt in Lösungen, die sich in bestehende Plattformen, Vertriebswege oder Produktportfolios integrieren lassen. Besonders interessant seien laut Köker Anbieter, deren Technologien ein Käufer über bestehende Strukturen schnell international ausrollen oder um weitere Produkte ergänzen kann. „Solche Unternehmen können auch den Ausgangspunkt für eine Buy-and-build-Strategie bilden, bei der weitere Technologien, Anwendungen oder regionale Anbieter zu einer größeren Plattform zusammengeführt werden.“

Auf dem Feld entscheidet sich der Wert der Technologie

Großes Potenzial zeigt sich im Precision Farming. Der weltweite Markt soll laut Grand View Research von 16,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 38,8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2033 wachsen. 3 Gefragt sind Sensorik, Drohnen, KI-gestützte Bilderkennung, autonome Maschinen und Farm-Management-Systeme, die Wasser, Dünger, Pflanzenschutzmittel und Arbeitszeit einsparen. Für Käufer zählt dabei nicht allein die Marktgröße, sondern vor allem der Nachweis im Feld: Wie zuverlässig funktioniert die Technik unter wechselnden Wetter- und Bodenbedingungen? Wie hoch ist die tatsächliche Ersparnis bzw. Effizienz? Welche Kosten entstehen für Wartung und Service? „Ein erfolgreicher Testbetrieb ist ein Anfang, aber noch kein belastbares Geschäftsmodell“, betont Köker. Entscheidend sei außerdem, ob sich eine Lösung problemlos in bestehende Maschinen- und Softwaresysteme integrieren lässt. Je einfacher eine Technologie in vorhandene Arbeitsabläufe passt, desto größer ist ihr Marktpotenzial. Bei kapitalintensiver Robotik erhöhen wiederkehrende Einnahmen aus Software, Wartung, Ersatzteilen oder nutzungsabhängigen Modellen zusätzlich die Attraktivität.

In der Biotechnologie zählt der Weg zum Markt

Auch Agricultural Biotech rückt stärker in den Blick. Der Markt erreichte 2025 laut MarketsandMarkets rund 92,2 Milliarden US-Dollar und soll bis 2030 auf 144,3 Milliarden US-Dollar wachsen. Treiber sind klimaresistentere Pflanzen, gesündere Böden und biologische Ergänzungen zu klassischen Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Für Käufer werden Anbieter vor allem dann interessant, wenn aus Forschungsergebnissen konkrete Produktkandidaten, belastbare Feldversuche und erkennbare regulatorische Fortschritte geworden sind. „Unternehmen, die in diesem Bereich einen Verkauf anstreben, sollten genau wissen, worauf potenzielle Käufer achten: Geschützte IP, nachgewiesene Wirksamkeit und regulatorische Fortschritte zählen häufig stärker als der aktuelle Umsatz“, sagt Köker. Die Übernahmen von AgBiTech durch BASF und Intrinsyx Bio durch Syngenta zeigen, dass Konzerne solches Know-How gezielt erwerben. „Ein kleiner Biotech-Anbieter kann hochinteressant sein, wenn er jahrelange Forschung und ein weit entwickeltes Produkt mitbringt. Bleiben Wirksamkeit, Zulassung oder Herstellung dagegen ungeklärt, kauft der Interessent vor allem Entwicklungsrisiken – und das drückt die Bewertung.“

So schaffen exklusive Daten im Monitoring einen Vorsprung

Zusätzliche Dynamik entsteht bei datenbasierten Lösungen für Tiermonitoring, Herdenmanagement und die Rückverfolgung landwirtschaftlicher Erzeugnisse entlang der Lieferkette – vom landwirtschaftlichen Betrieb über die Verarbeitung bis zum Handel. Daten werden in der Agrar- und Lebensmittelwirtschaft zunehmend wichtig für Finanzierung, Versicherung, Nachhaltigkeitsberichte und Lieferkettensteuerung. Anbieter erfassen etwa Informationen zur Tiergesundheit oder dokumentieren Herkunft, Qualität und Emissionen entlang der Lieferkette. CropX erweiterte seine Farm-Management-Plattform durch die Übernahme von Acclym um die Themen Lieferketten- und Nachhaltigkeitsdaten. Das Berliner AgriTech-Unternehmen KLIM erhielt 2024 zudem 22 Millionen US-Dollar Wachstumskapital und übernahm den Agrar-Klimacheck. „Für Käufer sind Daten erst dann besonders wertvoll, wenn sie schwer zugänglich sind, kontinuierlich aktualisiert werden und Herkunft sowie Nutzungsrechte eindeutig geklärt sind“, erklärt Köker. Zugleich müsse die Zahlungsbereitschaft belegt sein, etwa bei Lebensmittelherstellern, Händlern, Banken oder Versicherungen. „Ohne zahlende Kunden entsteht aus einem exklusiven Datenzugang noch kein skalierbares Geschäftsmodell.“

Nicht jede Nische schafft einen Exit-Vorteil

Trotz der neuen Dynamik wird nicht jede AgriTech-Nische automatisch zum Übernahmeziel. Spezialisierung kann auch zum Risiko werden, wenn ein Unternehmen von wenigen Großkunden, Förderprogrammen oder nur einem denkbaren Käufer abhängig ist. Auch hohe Produktionskosten, saisonale Umsätze, fehlende Zulassungen oder ein schwer skalierbares Servicegeschäft können die Bewertung belasten. Entscheidend ist deshalb, ob ein Anbieter aus dem steigenden Problemdruck der Landwirtschaft ein belastbares, skalierbares und für mehrere Käufer relevantes Geschäftsmodell entwickelt hat. „Spezialisierung wird erst dann zum Exit-Vorteil, wenn sie ein Unternehmen schwer ersetzbar, aber nicht abhängig macht“, fasst Köker zusammen. „Wer belastbare Feldergebnisse, wiederkehrende Umsätze vorweisen kann, schafft eine deutlich bessere Ausgangslage für einen Verkaufsprozess.“


ox8 Corporate Finance wurde 2018 von erfahrenen M&A-Experten gegründet und ist eine unabhängige Corporate Finance Boutique mit Sitz in Frankfurt. Das Unternehmen begleitet Wachstumsunternehmen in der DACH-Region bei Finanzierungs- und Verkaufsprozessen. Dabei berät ox8 auf der Verkäufer- und Käuferseite (Sell-side und Buy-side) bei Fusionen und Übernahmen (M&A) sowie bei der Kapitalbeschaffung (Growth Capital) im Small- und Mid-Cap-Segment (EV EUR 20–250 Mio.).

Das Unternehmen versteht sich als Berater auf Augenhöhe für visionäre Unternehmer, leidenschaftliche Manager sowie strategische Käufer und Finanzinvestoren. Fundierte Branchenexpertise, ein langfristig gewachsenes, internationales Netzwerk und eine erstklassige Transaktionsabwicklung mit umfassender Betreuung durch erfahrene Berater bilden die Grundlage für höchste Standards in Kundenorientierung und Qualität – und spiegeln sich in der außerordentlich hohen Erfolgsquote der von ox8 betreuten Transaktionen wider.
Weitere Informationen unter: https://ox8-cf.com/


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