Mobilität der Zukunft

Studie zeigt: Autonomes Fahren macht ÖPNV günstiger und besser

Die Verkehrsbelastung in urbanen Zentren verlangt eine dringende Mobilitätswende. Der Umstieg vom privaten PKW auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) wird zur Notwendigkeit. Voraussetzung hierfür ist allerdings ein flächendeckendes und leistungsfähiges ÖPNV-Netz. Die Kommunen stehen dabei vor komplexen Problemen. Hohe Personalkosten belasten die Budgets erheblich. Gleichzeitig verhindert der akute Mangel an qualifiziertem Fahrpersonal die Bereitstellung entsprechender Dienstleistungen zu wirtschaftlich tragfähigen Tarifen. Doch es gibt gute Nachrichten: Diese Versorgungsdefizite lassen sich durch den strategischen Einsatz autonom operierender Shuttles und Busse effizient kompensieren, wie eine aktuelle Studie im Auftrag von DB Regio zeigt.

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    Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Software- und Verkehrsplanungs-Unternehmen ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Prognos AG erstellt. Ein Expertenbeirat hat das Projekt begleitet.

    Die Studie arbeitet mit drei Szenarien. Sie sollen die Einsatzmöglichkeiten autonomer Fahrzeuge im Personennahverkehr skizzieren. Die Szenarien sind so gewählt, dass sie den grundsätzlichen Effekt einer bestimmten Entwicklung verdeutlichen. Die bewusste Differenzierung der Szenarien dient zum Verständnis und zur Bewertung möglicher Entwicklungspfade.

    Die Szenarien zeigen jeweils einen neu eingeschwungenen Zustand im Jahr 2045, nach einer vollständigen Etablierung der Technologie. Sie betrachten die alltägliche Mobilität: Die Menschen sind zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Pkw oder dem öffentlichen Verkehr zum Beispiel als Berufspendler, in der Freizeit oder zum Einkaufen unterwegs.

    Für die Szenarien wurde eine Verkehrsanalyse durchgeführt, bei der ein verändertes Mobilitätsangebot in einer repräsentativen Beispielregion detailliert ausgeplant wurde. Für jeden Weg der Menschen in der Beispielregion wurde die individuelle Verkehrsmittelwahl aufgrund von Entscheidungskriterien wie Kosten, Reisezeit und sozioökonomischen Eigenschaften wie Gehalt oder Bildungsniveau simuliert. Anschließend wurden die Ergebnisse auf ganz Deutschland hochgerechnet.

    Die Ergebnisse sind eindeutig: Autonomes Fahren macht den ÖPNV attraktiver und überall in Deutschland erschwinglich. Heute haben 14 Prozent der Menschen ein attraktives ÖPNV-Angebot. Mit dem richtigen Einsatz autonomer Fahrzeuge könnte dies zukünftig für alle Menschen gelten. Das bedeutet konkret: Bis zum Einsteigen in das Fahrzeug würden 5 bis 13 Minuten vergehen. Die Reisezeiten wären ähnlich wie im Privatauto. Gleichzeitig könnten Fahrgäste, die vom eigenen Auto auf den ÖPNV umsteigen, rund 170,– Euro monatlich sparen. Die öffentliche Hand würde den ÖPNV im Vergleich zu heute mit 20 Prozent weniger Geld finanzieren müssen. Außerdem könnte die Wirtschaft einen 74 Milliarden Euro Markt für KI- und digital-gestützte Produkte und Dienstleistungen erschließen.

    Was theoretisch nach einer perfekten Lösung klingt, erfordert in der Praxis jedoch zunächst ein klares Zielbild für das Mobilitätssystem der Zukunft und zugleich konkrete Schritte in der Gegenwart. Denn: Autonomes Fahren entfaltet seinen Nutzen nur, wenn technologische Entwicklung, politische Steuerung und Marktgestaltung auf ein integriertes Mobilitätssystem ausgerichtet werden. Ein Mobilitätsangebot sollte in bestimmten Szenarios gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt werden. Modellregionen für autonomes Fahren können dabei eine Schlüsselrolle spielen, um solche Systeme unter realen Bedingungen zu erproben, Planungssicherheit für Industrie und öffentliche Akteure zu schaffen, sowie belastbare Erkenntnisse für einen späteren bundesweiten Roll-out zu gewinnen. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass auf dieser Basis autonomes Fahren schrittweise zum tragenden Bestandteil eines zukunftsfähigen Mobilitätssystems werden kann.


    Mehr zum Thema Autonomes Fahren lesen Sie hier:

    https://www.drones-magazin.de/presse/autonome-shuttles-als-chance-fuer-den-oepnv-hohe-akzeptanz-und-potenzial/

    https://www.drones-magazin.de/news/wie-hamburg-mit-autonomen-angeboten-die-mobilitaetswende-vorantreiben-will/

    https://www.drones-magazin.de/news/benteler-uebernimmt-db-tochter-ioki/

    https://www.drones-magazin.de/news/tueroeffner/


    Die komplette Studie gibt es hier zum Nachlesen:

    https://www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/Studie-Autonome-Fahrzeuge-koennen-Qualitaet-im-OePNV-massiv-verbessern-13715222


    Foto: Deutsche Bahn






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