Sehen und gesehen werden


Autonome Technologien verändern den Luftraum und erhöhen zugleich die Flugsicherheit. Denn der heutige Luftraum wird immer komplexer. Er ist höher frequentiert und stärker vernetzt als je zuvor. Die allgemeine Luftfahrt, kommerzielle Transportflüge, Rettungsflüge, Advanced Air Mobility und unbemannte Flugsysteme sind in zunehmend überlappenden Bereichen am Himmel unterwegs. Eine sichere Integration erfordert daher, dass sich alle Flugsysteme gegenseitig erkennen können.
Auch wenn es eine komplexe Herausforderung darstellt, setzt sich AUVSI dafür ein, eine Zukunft ohne Kollisionen oder gefährliche Annäherungen am Himmel zu gestalten. Und das ist keine technologische Herausforderung mehr, sondern eine Frage der Politik. Um diese Vision in einem heterogenen Ökosystem aus bemannten und unbemannten Luftfahrzeugen zu verwirklichen, ist ein skalierbarer, kostengünstiger und interoperabler Ansatz für die elektronische Sichtbarkeit erforderlich. Der sicherste und nachhaltigste Weg ist die universelle elektronische Kennzeichnung (eConspicuity). Universell bedeutet nicht zwingend identisch oder aufwändig. Es bedeutet eine allgemeine Beteiligung.
Eine elektronische Kennzeichnung stellt die Fähigkeit eines Luftfahrzeugs sicher, seine Position zu senden und die Positionen anderer Luftfahrzeuge zu empfangen. Das ist die Grundlage für ein gemeinsames Lagebewusstsein. Ist dieses Fundament nicht gelegt, arbeiten Piloten und autonome Systeme mit unvollständigen Informationen oder benötigen in einem zunehmend dichten Luftraum komplexere oder kostspieligere Sicherheitsmaßnahmen.
Rund um den Globus, auch in Europa und den USA, ist die technische Ausstattung weiterhin uneinheitlich. Einige Flugzeuge senden ADS-B. In Europa werden aber auch andere, zum Teil proprietäre Systeme genutzt. Drohnen müssen Identifikationsanforderungen erfüllen und in den USA sind bei Flügen außerhalb der Sichtweite (BVLOS) Technologien zur Erkennung von Flugzeugen, die ihre Position aussenden, vorgeschrieben. Allerdings können die meisten Drohnen technisch nicht sichtbare bemannte Flugzeuge eben nicht zuverlässig erkennen. Die Sicherheit im gemeinsamen Luftraum darf aber nicht dadurch beeinträchtigt werden, dass einige Teilnehmer adäquat ausgerüstet sind, während andere elektronisch unsichtbar bleiben. Das Ergebnis ist ein uneinheitliches Sicherheitsniveau: Manche Flugsysteme sind für manche Betreiber sichtbar. Manche nur zeitweise. Dies ist weder eine tragfähige Grundlage für die Steigerung der Flugsicherheit im Allgemeinen noch für die Skalierung von Advanced Air Mobility und BVLOS-Drohnenflügen oder für einen zunehmend automatisierten und integrierten Luftraum.
In Europa wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob nur unbemannte Flugsysteme dazu verpflichtet sein sollen, Transponder zur elektronischen Kenntlichmachung mitzuführen. Ob ADS-L oder andere Technologien die Grundlage sein sollten. Und darüber, ob verpflichtende Ausrüstungsvorgaben auf alle Teilnehmer im unteren Luftraum ausgeweitet werden sollten. AUVSI vertritt die Auffassung, dass die Sicherheit in einem gemeinsamen Luftraum nicht dadurch gewährleistet werden kann, dass einige Teilnehmer elektronisch sichtbar sind, während die anderen unsichtbar bleiben. Die Frage ist, wie eine angemessene und interoperable Sichtbarkeit für bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge gleichermaßen geschaffen und ein sichererer Luftraum für alle gewährleistet werden kann.
AUVSI setzt sich für einen einheitlichen Standard ein, der interoperabel, einfach zu implementieren, sicher und kostengünstig ist. Wir befürworten einen gemeinsamen, interoperablen Übertragungsstandard mit gleichzeitiger Flexibilität hinsichtlich der Empfangs- und Darstellungsmethoden. Luftfahrzeuge müssen nicht über identische Hardware verfügen. Aber sie müssen in einem gemeinsamen Luftraum eine gemeinsame elektronische Sprache sprechen und einheitliche Übertragungswege nutzen.
In den Vereinigten Staaten prüfen politische Entscheidungsträger aktiv, wie die elektronische Kennzeichnung über alle Luftfahrtsegmente hinweg verbessert werden kann. Eine Diskussion, die AUVSI nachdrücklich unterstützt hat. Diese Debatte berücksichtigt zwei Tatsachen: Erstens bietet ADS-B eine ausgereifte und international anerkannte Grundlage für die kooperative Überwachung. Zweitens können nicht alle Flugsysteme aufgrund von Größe, Gewicht, Energieverbrauch oder unverhältnismäßiger Kosten mit herkömmlichen Transpondern ausgestattet werden. Daher ist eine starre Einheitslösung kein geeigneter Weg. Wir brauchen eine skalier- und anpassbare Implementierung. Auf ADS-B basierende Lösungen wären hinsichtlich der Interoperabilität am schnellsten verfügbar, da die Technologie bereits recht weit verbreitet ist. Eine universelle elektronische Kennzeichnung sollte jedoch letztendlich an Leistungsparametern gemessen werden.
- Zuverlässige Positionsübertragung
- Lückenlose Positionsüberwachung
- Umfassende Empfangskompatibilität
- Proportionale Implementierung in allen Flugsystemklassen
Dieser Ansatz ermöglicht es, Innovationen voranzutreiben und zugleich die Betriebssicherheit nicht durch technische Fragmentierung zu gefährden. Für kleinere Flugzeuge und unbemannte Systeme sind leichte und energieeffiziente Lösungen unerlässlich. Kostengünstige, tragbare eConspicuity-Lösungen ermöglichen den flächendeckenden Einsatz, ohne das umfangreiche Umbaumaßnahmen erforderlich sind oder extreme Kosten entstehen. Wenn die Einhaltung der Vorschriften unkompliziert ist, steigt die Akzeptanz.
Zudem muss berücksichtigt werden, dass Missionen im Bereich der öffentlichen Sicherheit, der Gefahrenabwehr und der kritischen Infrastruktur möglicherweise spezielle Schutzmaßnahmen gegen den Missbrauch von Übertragungsdaten erfordern. Effektive Rahmenbedingungen können berechtigte Schutzinteressen wahren und gleichzeitig die gegenseitige Sichtbarkeit ermöglichen.
Eine allgemeine elektronische Kennzeichnung stärkt die regulatorische Klarheit und erhöht die Sicherheit. Sind Flugsysteme elektronisch sichtbar sind, lassen sich Routenkonflikte besser vorhersagen. Kollisionsvermeidungssysteme arbeiten zuverlässiger. Automatisierungslösungen lassen sich umfangreicher einsetzen. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit steigt und unser Luftraum wird moderner.
Die Alternative wäre eine fortschreitende Fragmentierung, ein Flickenteppich nur teilweise kompatibler Systeme, der die Lageerkennung einschränkt und grenzüberschreitenden Flugbetrieb erschwert. Mit der zunehmenden Globalisierung und Automatisierung der Luftfahrt gewinnt die Verständigung auf interoperable Standards im Bereich eConspicuity immer mehr an Bedeutung. Der Luftraum endet nicht an nationalen Grenzen. Und gegenseitige Sichtbarkeit sollte das auch nicht.
Daher spricht sich AUVSI für einen leistungsbasierten, international harmonisierten Rahmen für die allgemeine elektronische Sichtbarkeit aus, der Folgendes umfasst:
- Einen gemeinsamen Übertragungsstandard
- Die Möglichkeit, unterschiedliche Technologien zu nutzen, die bestimmte Leistungsstandards erfüllen
- Zugang zu für alle Luftfahrtsegmente angemessenen Lösungen
- Optionen für den (behördlichen) Flugbetrieb mit erhöhten Schutzbedürfnissen
Denn allgemeine elektronische Sichtbarkeit bedeutet nicht, identische Ausrüstung vorzuschreiben. Es geht vielmehr darum, sicherzustellen, dass jedes Flugzeug, das in einem integrierten Luftraum operiert, sowohl zur gemeinsamen Lageerfassung beiträgt als auch davon profitiert. Innovationen werden das nächste Kapitel der Luftfahrt prägen. Allgemeine Sichtbarkeit trägt dazu bei, dass es sicher ist.