Passagierdrohnen: Ferne Vision oder nahende Normalität? – DRONES

Passagierdrohnen: Ferne Vision oder nahende Normalität?

Meldung der Woche

• Es waren spannende Tage für all diejenigen, die sich mit dem Thema manntragende Drohnen beschäftigen. Am Mittwoch absolvierte eine EHang 216 Demonstrationsflüge auf – oder besser: über – dem Areal der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. An Bord der zweisitzigen Drohne des chinesischen Herstellers EHang waren zwar keine Passagiere, dafür aber Säcke mit 70 Kilogramm Reis. Das Münchner Unternehmen Lilium wiederum stellte am Donnerstag Pläne vor, bis 2025 einen ersten Vertiport in Lake Nona, Orlando im US-Bundesstaat Florida in Betrieb nehmen zu wollen. 

Dass “fliegende Taxis” bereits früher Realität werden könnten, als so mancher sich vorzustellen vermag, davon ist man auch bei Volocopter aus Bruchsal überzeugt. „Für viele sind Flugtaxis immer noch Science-Fiction. Doch das stimmt nicht. Das elektrische Fliegen in der Stadt wird in zwei bis drei Jahren wahr sein“, ist Christian Bauer, CCO von Volocopter (siehe Drones-Ausgabe 1/2021) überzeugt. Weltweit hat die Entwicklung in den vergangenen Monaten spürbar an Fahrt aufgenommen. Kein Wunder, schließlich vermuten nicht Wenige einen lukrativen Zukunftsmarkt hinter dem Vorhaben, vertikale Mobilität in die Ballungszentren dieser Welt zu bringen. 

Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert für die sich entwickelnde UAM-Branche in der am Dienstag vorgestellten Studie „Urban Air Mobility – USD 90 billion of potential: How to capture a share of the passenger drone market“ für 2050 einen weltweiten Jahresumsatz von fast 90 Milliarden US-Dollar und geht davon aus, dass dann bereits 160.000 Passagierdrohnen im aktiven Einsatz sein werden. Bei einer ersten Untersuchung aus dem Jahr 2018 hatten die Analysten noch erwartet, dass 2050 „nur“ knapp 100.000 Passagierdrohnen unterwegs sein würden. Laut der jüngsten Roland Berger-Studie wird sich die Lufttaxi-Flotte fast gleichrangig auf die Bereiche „City Taxi“ (36%), „Airport Shuttle“ (35%) sowie „Inter City“ (29%) verteilen, wobei letztgenannte Kategorie geplante Flüge im Regionalverkehr auf festgelegten Routen zwischen 50 und 250 Kilometer umfassen soll.

Dass das technisch möglich sein wird, daran bestehen immer weniger Zweifel. Fraglich bleibt jedoch, ob autonome Passagierdrohnen tatsächlich als verlässlicher Teil des urbanen Mobilitätsmixes angenommen und von der Bevölkerung akzeptiert werden. Das aktive (Passagiere) und passive (Stadtbewohner) Sicherheitsempfinden sowie die Sorge vor Lärmemissionen sind Aspekte, die durchaus ein Hemmnis für den kommerziellen Durchbruch einer umweltfreundlichen Zukunftstechnologie sein können. In einer ebenfalls am Dienstag (10. November) veröffentlichten Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Volocopter haben sich die Autoren mit Fragen der öffentlichen Wahrnehmung und Meinung mit Blick auf Lufttaxis auseinandergesetzt. Zwar wurden die Umfragedaten für die „Akzeptanzstudie FlyingCab: Wenn Taxis den Luftraum erobern“ bereits im Mai 2019 bei einer Befragung am Berliner Hauptbahnhof erhoben, sie werfen dennoch ein interessantes Schlaglicht darauf, wie sich die Bevölkerung einer deutschen Metropolregion gegenüber Passagierdrohnen positioniert.

Als besonders sinnvolle Standorte für Start und Landeplätze von Flugtaxis gelten den 320 Befragten zufolge insbesondere Bahnhöfe, Flughäfen sowie Park & Rides. Zumindest in der Anfangsphase des „Flugtaxi-Zeitalters“ würden sich die meisten tendenziell einen menschlichen Piloten an Bord wünschen, 35% wäre es auch langfristig lieber, wenn ein Pilot das Fluggerät steuert. Ebenfalls 35% ist es im Grunde egal, wie das Flugtaxi gesteuert wird, lediglich 26% vertrauen bereits jetzt der Technik so sehr, dass sie autonom navigierende Passagierdrohnen befürworten würden. 

Abbildung: Fraunhofer IAO