Passagierdrohnen bald im Alltag angekommen?

In wenigen Jahren wird der Einsatz von Passagier-Koptern zur Normalität. Das ist das Ergebnis der Studie „Urban Air Mobility: The rise of a new mode of transportation“, die die renommierte Unternehmensberatung Roland Berger vorgestellt hat. Und die Entwicklung nimmt stetig an Fahrt auf: Laut der Studie sind aktuell rund 75 Unternehmen weltweit mit der Entwicklung von manntragenden Drohnen beschäftigt. In den nächsten fünf bis zehn Jahren, so die Autoren, könnte der Einsatz von Passagierdrohnen daher Wirklichkeit und Teil des Alltags werden.

Ab den frühen 2020er-Jahren planen Dubai, Singapur, Los Angeles, Dallas und Tokyo als die fünf Pioniere der UAM-(Urbain Air Mobility) Pilotprojekte zu elektrischen Passagierdrohnen, wobei Dubai bereits 2017 mit Testflügen begonnen hat. Bereits seit 2011 hat das deutsche Start-Up „Volocopter GmbH“ aus Bruchsahl seinen „Volocopter“ in Dubai und Las Vegas in Betrieb. Dieser kann zwei Passagiere befördern und bis zu 27 Kilometer weit fliegen. Auch in den USA erfolgte der erste Testflug eines fliegenden Taxis bereits. Der Jungfernflug von Alpha One des Projekts Vahana dauerte 53 Sekunden. Laut Entwicklerangaben soll das pilotenlose Gerät bis zu 745 Kilogramm Last befördern und dabei bis zu 5.000 Meter in die Höhe steigen können. Allerdings kann es nur einen Insassen befördern. Die Entwicklung der Alpha One begann 2016, bis 2020 plant Airbus die Markteinführung. Aktuell können Drohnen 20 bis 30 Kilometer weit fliegen, bis 2030 sollen 100 bis 250 Kilometer möglich sein.

Zwischen 2025 bis 2030 sollen UAM-Projekte weiter expandieren. Passagierdrohnen sollen dann bis zu fünf Fluggäste transportieren können und immer mehr Metropolen weltweit mitmachen. In dieser Zeit werden wahrscheinlich weiterhin Piloten in den Drohnen sitzen. Dies geschieht vor allem aus Sicherheitsgründen. Für diesen Zeitraum wird in der Studie ein Einsatz von bis zu 3.000 Passagierdrohnen vorausgesagt. Danach nimmt man einen exponentiellen Anstieg der Zahl an, da die Anschaffungs- und Betriebskosten sinken und der Einsatz von Passagierdrohnen günstiger wird als die von Hubschraubern. Für die Zeit nach 2030 werden laut der Studie Passagierdrohnen als sogenannte „safe flying robotaxis“ unterwegs sein, die bis zu 10 Passagiere transportieren und 300 Kilometer weit fliegen können. Bis 2050 könnten bis zu 100.000 Passagierdrohnen im Luftraum unterwegs sein.

Statistik: Number of passenger drones in UAM operation worldwide. Quelle: Roland Berger
Lufttaxen und Shuttle-Kopter

Als Air-Taxen, die bis zu zwei Passagiere mit Handgepäck 15 bis 50 Kilometer weit fliegen, könnten Passagierdrohnen beispielsweise eingesetzt werden. Bestellt werden können sie wie normale Taxen per App. Auch Dronen als Flughafenshuttle wären denkbar. Diese würden, wie Shuttlebusse, nach einem Fahrplan verkehren und könnten an zentralen Landepunkten und strategischen Punkten am Flughafen landen. Sie sollen bis zu vier Passagiere plus 50 bis 80 Kilogramm Gepäck transportieren können. Passagierdrohnen könnten auch zwischen nah beieinander liegenden Städten verkehren.

Bevor die genannten Szenarien überhaupt Realität werden können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. So braucht man genügend von den Behörden genehmigte Landeplätze innerhalb und oberhalb der Stadt, was angesichts der räumlichen Begrenztheit keine kleine Herausforderung darstellen dürfte. Außerdem muss ein robustes 5G-Netz gewährleistet werden, um die Kommunikation mit Kontrollbehörden und anderen Nutzern des bodennahen Luftraums sicherstellen zu können. Am wichtigsten ist allerdings, dass sich der Gesetzgeber auch beteiligt, um Kontrollinstanzen und rechtliche Aspekte der Urbain Air Mobility zu definieren. Kooperationen und gezielte Partnerschaften können dabei helfen.

Auf Kooperationen setzt auch Ingolstadt. Die bayerische Stadt ist mit 14 weiteren europäischen Kommunen wie Genf, Hamburg, Brüssel, Antwerpen oder Toulouse Teil der von der EU unterstützten „Urban Air Mobility-Initiative“. Neben der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern hat Ingolstadt zum Start des Projekts Vertreter der Wirtschaft, die benachbarten Flughäfen und weitere Akteure an einen Tisch geholt. Gemeinsam sollen mögliche Einsatzgebiete definiert und notwendige Voraussetzungen für den Testbetrieb geschaffen werden. Auch bei der „Volocopter GmbH“ setzt man auf Zusammenarbeit. Die Landesregierung Baden-Württemberg hat dem Unternehmen Investitionen in Höhe von 1,3 Millionen Euro zugesichert.

Die komplette Studie von Roland Berger kann man hier nachlesen: www.rolandberger.com

Einen Artikel zum „Volocopter“ können Sie in Ausgabe 02/2018 von DRONES lesen. Diese können Sie in der Kiosk-App von DRONES für Android und iOS lesen oder im Alles-rund-ums-Hobby-Shop bestellen.