Im Gespräch mit Malte Seifert, Messe-Direktor der XPONENTIAL Europe

„Marktplatz der Ideen und Konzepte“

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    Nach der extrem erfolgreichen Premiere vor einem Jahr knallten in Düsseldorf die Sektkorken. Zu Recht. Doch kurz darauf richtete sich der Blick auf den 24. März 2026 und die Eröffnung der zweiten XPONENTIAL Europe. Im Gespräch mit der Drones-Redaktion verrät Messe-Direktor Malte Seifert, worauf sich Besucherinnen und Besucher an drei vollgepackten Tagen freuen können, welchen Einfluss die Weltpolitik auf seine Arbeit hat und warum er mit seinem Team immer noch ganz am Anfang einer Entwicklung steht.

    Drones: „Wir stehen erst am Anfang unserer Entwicklung.” Das haben Sie uns im Vorfeld der ersten XPONENTIAL Europe gesagt. Seither sind zwölf Monate vergangen und Sie können sowohl eine beeindruckende Premiere als auch eine mehrere Wochen vor der zweiten Messe-Auflage komplett ausgebuchte Halle vorweisen. Stehen Sie immer noch am Anfang?

    Malte Seifert: Ganz ehrlich? Ja. 

    Aber ein paar Schritte sind Sie mit Ihrem Team und „Ihrer Messe“ seither schon gegangen, oder?

    Natürlich. Als wir im Mai 2023 auf der XPONENTIAL in Denver angekündigt haben, ab 2025 eine XPONENTIAL Europe in Düsseldorf zu veranstalten, konnten wir nicht wie selbstverständlich davon ausgehen, dass wir schon zwei Jahre später die unangefochtene Leitmesse für Autonomie und Robotik in Europa sein würden. Aber natürlich haben wir für und in Europa den Bedarf an einem solchen Convention-Format mit Messe, Fachkonferenzen und Netzwerkveranstaltungen gesehen. 

    Das Timing hätte aber auch nicht besser sein können. Zwar sind die ökonomischen Rahmenbedingungen insgesamt weiterhin herausfordernd, aber insbesondere mit Blick auf die militärische Nutzung unbemannter Systeme ist das Interesse in Politik, Wirtschaft und Medien ja kaum noch zu steigern.

    Man kann selbstverständlich nie konkret vorhersagen, wie sich eine neuartige Technologie entwickeln wird. Und wenn man mit Ausstellerinnen und Ausstellern spricht, hört man, dass Aufmerksamkeit auch nicht alles ist. Damit aus guten Ideen und innovativen Produkten nachhaltig erfolgreiche Unternehmungen werden, bedarf es mehr. Einer geeigneten Investitions- und Förderlandschaft zum Beispiel. Oder auch stabilen Lieferketten und nicht zuletzt praxistaugliche gesetzliche Rahmenbedingungen.

    Bereits einige Wochen vor dem Messe-Termin waren alle Plätze in der Ausstellungshalle belegt und weitere Interessenten landeten auf der Warteliste

    Und wie können Sie als Messe-Veranstalter dabei behilflich sein?

    Indem wir eine Plattform schaffen, Menschen und Industrien zusammenbringen. Das ist im Grunde seit jeher das Wesen von Märkten und Messen. Natürlich wird dort auch gehandelt, und es werden Geschäfte gemacht. Doch fast noch wichtiger ist es, sich zu treffen, sich auszutauschen und gemeinsam Dinge voranzutreiben. Zusammen mit unseren Partnern schaffen wir einen Marktplatz der Ideen und Konzepte, der über die drei Messetage hinaus nachwirken soll. Daher sind wir insbesondere mit unseren beiden Co-Hosts AUVSI und UAV DACH in einem ganz engen Austausch, um die Wünsche der internationalen Drone-Economy aufzunehmen und gemeinsam gezielt Impulse zum Wohle der gesamten UxS-Industrie setzen zu können.   

    Mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat ein deutscher Spitzenpolitiker die Schirmherrschaft der Messe übernommen, weitere hochrangige Gäste sowie Delegationen aus ganz Europa und darüber hinaus haben ihr Kommen angekündigt. Macht Sie das persönlich stolz?

    Stolz wäre das falsche Wort. Aber ich müsste lügen, wenn ich versuchen würde, das professionell als „Business as Usual“ abzutun. Doch natürlich ist das keine persönliche Auszeichnung für mich, sondern ein Zeichen dafür, dass wir als Team hier innerhalb kürzester Zeit etwas sehr Relevantes aufgebaut haben. Insgesamt zeigt das große Interesse von hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Streitkräften und Wirtschaft, dass die XPONENTIAL Europe als die bedeutende Plattform wahrgenommen wird, die sie ist.

    Im Vergleich zur ersten XPONENTIAL Europe nimmt das Thema Militär und Sicherheitswesen in diesem Jahr einen weitaus größeren Stellenwert ein. Mit dem Defense Forum gibt es eine eigene Fachkonferenz zum Thema, und die Bundeswehr ist mittlerweile Ihr strategischer Partner. Warum hatten Sie das Gefühl, an dieser Stelle das Messeprofil nachschärfen zu müssen?

    In einer Zeit, in der Sicherheit und Verteidigung zentrale Themen europäischer Politik und Industrie sind, ist es konsequent, diesen Bereich als Schwerpunkt in das Portfolio aufzunehmen. Das entspricht auch den Erwartungen vieler Unternehmen aus der Branche. Zudem gaben im vergangenen Jahr mehr als 40 Prozent der Besuchenden an, insbesondere an den Themen Sicherheit, Überwachung, Inspektion und Katastrophenschutz interessiert zu sein. Da ist es nur folgerichtig, dass Verteidigungstechnik nicht nur dabei, sondern ein Schwerpunktthema der XPONENTIAL Europe ist. Mit der Bundeswehr als strategischem Partner können wir zudem an dieser Stelle wichtige Impulse setzen. Zum Beispiel mit dem eintägigen German Drone-Defence & Innovation Forum. Dies wird maßgeblich von Flottillenadmiral Christian Bock und seinem Team aus dem gerade neu eröffneten Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding gestaltet, sodass Bedarf und Angebot in Düsseldorf direkt miteinander in Austausch treten können.

    Technologien aus erster Hand erleben und Informationen miteinander teilen. Das ist eines der wesentlichen Elemente des XPONENTIAL Europe-Konzepts

    Aktuell wird die öffentliche Debatte von Sicherheits- und Verteidigungsthemen geprägt. Aber auch von angespannten transatlantischen Beziehungen oder der Notwendigkeit, strukturelle Abhängigkeiten gegenüber China in strategisch bedeutsamen Technologien zu vermeiden. Inwiefern beeinflusst die „politische Großwetterlage“ auch eine Veranstaltung wie die XPONENTIAL Europe?

    Auf der einen Seite sind wir eine Industriemesse und nicht die UN-Vollversammlung. Daher sollte man die direkten Wechselwirkungen mit den angesprochenen Themen nicht überschätzen. Allerdings sind wir uns natürlich dessen bewusst, dass die Bedeutung von Autonomie und Robotik weltweit erkannt wurde. Sowohl im militärischen als auch im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Wir wollen mit unserer Plattform dazu beitragen, dass die Drone-Economy in Europa die großen Hoffnungen, die in sie gesetzt werden, auch tatsächlich erfüllen kann.

    Ein weiteres häufig diskutiertes Thema ist die Detektion und Abwehr illegal eingesetzter Drohnen.  

    Das ist im Grunde ein Paradebeispiel dafür, warum eine Messe wie die unsere so wertvoll ist. Der Schutz vor missbräuchlich betriebenen Systemen ist eine Aufgabe, die niemand alleine stemmen kann. Dazu müssen Technologien, Strukturen und Prozesse etabliert und kontinuierlich überprüft werden. Das kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten voneinander wissen und im regelmäßigen Austausch stehen. Vom innovativen Startup bis zur Europäischen Kommission. Diese Aufgabe wird uns alle begleiten, solange unbemannte Systeme genutzt werden.

    Auch hinsichtlich der IT- und Datensicherheit findet ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel statt. Neben den Verteidigungstechnologien ist das der zweite Themenkomplex, der 2026 noch stärker im Fokus stehen wird als bei der Messe-Premiere im Vorjahr.  

    Völlig richtig. Cyberresilienz ist natürlich ein zentrales Thema der XPONENTIAL Europe. Denn autonome Systeme – ganz gleich, ob sie fliegen, fahren oder schwimmen – müssen optimal vor Angriffen geschützt werden, um Schäden und Fehlsteuerungen zu verhindern. Wenn uns das gelingt, können wir als Gesellschaft erst vollständig von den enormen Möglichkeiten profitieren, die unbemannte Systeme bieten. Nehmen wir nur einmal den öffentlichen Personennahverkehr. Flächendeckend operierende autonome Shuttle-Busse beispielsweise können nicht nur das Angebot im ländlichen Raum verbessern und verstopfte Innenstädte entlasten. Weniger Individualverkehr hilft uns auch im Kampf gegen den Klimawandel.   

    Apropos autonome Shuttle. Im vergangenen Jahr konnte man während der Messe teleoperierte Kleinbusse in Aktion erleben. Wird es das auch 2026 geben?

    Autonome Systeme und Robotik sind keine Science Fiction; die Technik existiert und funktioniert. Das wollen wir sicht- und erlebbar machen, weshalb wir im Bereich der Live-Demonstrationen sogar noch eine Schippe draufgelegt haben. So werden verschiedene unbemannte Bodenfahrzeuge in Aktion zu sehen sein. Rund um die Messehalle wird gezeigt, wie teleoperierte Shuttlefahrzeuge der Rheinmetall-Tochter MIRA im industriellen Kontext eingesetzt werden könnten. Auf dem Rhein wiederum ist das autonome Forschungsschiff NOVA zu sehen. Und zusammen mit unserem Co-Host UAV DACH werden wir demonstrieren, wie fliegende Drohnen mitten in einer deutschen Großstadt und unmittelbar neben einem Verkehrsflughafen in den kontrollierten Luftraum integriert werden können. Last but not least können sich alle Anwesenden auf ein spektakuläres Live-Hacking an einem vollautomatisierten Tesla freuen.

    Der UAV DACH ist als Co-Host in das Messegeschehen eingebunden

    Klingt fast so, als sei das Programm mittlerweile komplett. Was kann denn da in der Zukunft noch kommen?

    Wir haben seit Wochen eine ausgebuchte Halle und immer noch kommen Anfragen interessierter Unternehmen rein, ob noch Platz für einen Stand wäre. Insofern werden wir natürlich versuchen, das Momentum zu behalten und ab 2027 die nächsten Wachstumsschritte zu gehen. Und genau wie bei den Bereichen Defense und Cybersecurity werden wir weiterhin zusammen mit unseren Partnern das Ohr am Markt behalten, um auch kommende Trends abzubilden und die relevanten Themen abzudecken. Auch wenn wir mit dem jetzigen Stand unserer Entwicklung im zweiten Messejahr mehr als zufrieden sind, stehen wir, wie eingangs gesagt, tatsächlich immer noch am Anfang. 


    Fotos: Messe Düsseldorf / ctillmann

    Disclosure: Das Drones Magazin ist Medienpartner der XPONENTIAL Europe






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