Machbarkeitsstudie

Machbarkeitsstudie

Man wolle die ersten kommerziellen Volocopter-Strecken in zwei bis vier Jahren anbieten. Dieses - aus heutiger Sicht doch recht ambitioniert erscheinende Ziel - formulierte Florian Reuter, CEO der Volocopter GmbH im Interview mit der Drones-Redaktion (siehe Ausgabe 2/2020). Wo ein solcher "Flugtaxi-Service" dann konkret gelauncht werden soll, scheint zwar noch offen zu sein, aber Florian Reuter schloss bei diesen Gedankenspielen explizit auch Europa nicht aus. Angesichts der zuletzt sehr umfangreichen Aktivitäten in Singapur scheint es aber eher wahrscheinlich, dass man in der Volocopter-Zentrale Bruchsal die Mega-Citys in Asien als potenzielles erstes Geschäftsfeld ausgemacht hat. In diese Richtung deutet auch die gemeinsame Absichtserklärung, die die Volocopter GmbH und die in Singapur ansässigen Grab Holding, die über ihre Grab-App Transport- und Lieferdientsleistungen anbietet, nun bekannt gegeben haben. Unter anderem werden über die App Fahrdienstleistungen nach dem "Uber-Prinzip" vermittelt. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen mit einer Machbarkeitsstudie das Potenzial von Flugtaxi-Angeboten in den Ballungsräumen Südostasiens evaluieren.

Ziel ist es, Städte und Strecken zu identifizieren, auf denen Drohnen größtmögliche Vorteile im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ausspielen können. Dabei werden auch verschiedene Anwendungsfälle und die Möglichkeit gemeinsamer Flugtests untersucht. Nach Auswertung der Studie wollen die beiden Partner über zukünftige dauerhafte Kooperationsoptionen entscheiden, auch der Launch einer gemeinsam betriebenen Route scheint denkbar. 

"Diese Zusammenarbeit ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg, kommerzielle Flugtaxi-Services in den staugeplagtesten Regionen der Welt anzubieten", wird Florian Reuter in einer aktuellen Pressemitteilung zitiert. "Wir werden tiefe Einblicke in das wirtschaftliche und gesellschaftliche Potenzial von Flugtaxis auf den wichtigsten Routen in Südostasien erhalten. Diese Kooperation birgt die Möglichkeit für eine weiterreichende Zusammenarbeit im Bereich der intermodalen Mobilität, die zukünftig um Flugtaxis erweitert werden könnte.“ Singapur ist für die deutschen Volocopter-Macher eine Art "Heimspiel light", denn neben den ausgiebigen Testflügen in Dubai, einer Erprobung im Umfeld des Flughafens der finischen Hauptstadt Helsinki oder dem vielbeachteten Flug über Stuttgart ist es vor allem der südostasiatische Stadtstaat, den die deutschen Urban Air Mobility-Pioniere als Testfeld für sich entdeckt haben. So hat man im lokalen Umfeld bereits wichtige Kontakte zu den Regulierungsbehörden aufbauen können, die für kommende Projekte genutzt werden können. Für den Flug über Singapurs Marina Bay beispielsweise (Foto) arbeitete Volocopter eng mit der lokalen Flugsicherheitsbehörde, der Civil Aviation Authority of Singapore (CAAS), zusammen. Der in Zusammenarbeit mit dem britischen Unternehmen Skyports entwickelte Prototyp für einen so genannten VoloPort wurde ebenfalls in Singapur eröffnet.

Kontakte, die man nun durch die Zusammenarbeit mit App-Anbieter Grab sinnvoll und konsequent erweitert. "Durch unsere Grab-Superapp, die in 339 Städten in Südostasien aktiv genutzt wird, verstehen wir die Verkehrsmuster und Kundenwünsche der Region wie kaum ein anderer. Mit diesem Wissen können wir mögliche Lücken in der aktuellen Verkehrsanbindung erkennen und durch innovative Lösungen schließen", ist sich Chris Yeo, Head of Grab Ventures sicher. "Unsere Zusammenarbeit ermöglicht es, Urban Air Mobility-Lösungen zu entwickeln, die relevant für südostasiatische Pendler sind. So profitieren sie von weiteren Optionen, wenn sie ihren Weg basierend auf Budget, Dauer und anderen Bedürfnissen planen.” 

Foto: Volocopter/Nikolay Kazakov 

19. Februar 2020