Nachgefragt bei Or Epstein, Co-Founder & CBO von Wonder Robotics

Lande-Assistenzsystem für Drohnen

Damit Drohnen auf BVLOS-Missionen am Zielort oder auch im Falle unvorhergesehener Ereignisse selbständig sicher landen können, hat das israelische Start-up Wonder Robotics ein nachrüstbares Lande-Assistenzsystem für Drohnen entwickelt. Doch was kann das „WonderLand“ getaufte Modul eigentlich? Und was nicht? Die Antworten auf diese und andere Fragen kennt Or Epstein, Co-Founder & CBO von Wonder Robotics. Drones fragt nach.

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Drones: Ist WonderLand für alle Arten von Drohnen einsetzbar, also nicht nur Multikopter sondern beispielsweise auch Starrflügler?

Or Epstein: Unsere Technik-Lösungen sind plattformunabhängig. Sie können nicht nur bei Multikoptern eingesetzt werden, sondern verfügen auch über einzigartige zusätzliche Funktionen für Fixed-Wing-VTOL-Plattformen, die manchmal sehr individuelle Manövriereigenschaften aufweisen.

Welche Art von Schnittstelle ist erforderlich, um WonderLand nutzen zu können? Und ist das Ganze beispielsweise mit DJI-Drohnen kompatibel?

Es gibt zahlreiche Drohnen, aber nur sehr wenige relevante Flugregler für kommerzielle Drohnen. Unsere Lösungen sind mit den meisten von ihnen ohne Weiteres nutzbar. Was DJI anbelangt, so können wir Systeme entwickeln, die sich mit deren Technik nutzen lassen. Allerdings ist DJI insbesondere auf dem Consumer-Markt dominant. Unser Fokus liegt jedoch auf  der kommerziellen Drohnennutzung und betrieblichen Anwendungsfällen, die außerhalb der Sichtlinie eines Piloten stattfinden.

Welche Abmessungen, welches Gewicht hat das WonderLand-Modul? Und welchen Einfluss auf Flugzeit und -dauer ihres UAS müssen Nutzer in Kauf nehmen?

Ein Teil der Herausforderungen in der Drone-Economy ist es, dass die Komponenten maximale Performance  bei gleichzeitig minimalen physikalischen Eigenschaften bieten sollen. Wir glauben dass eine unserer größten Errungenschaften darin besteht, diese Herausforderung in Form eines dahingehend optimierten Systems gemeistert haben, das zudem über sehr fortschrittliche Bildverarbeitungs- und KI-Funktionen verfügt. Erfahrungsgemäß haben unsere Kunden bereits leistungsstarke Datenverarbeitungssysteme an Bord ihrer Drohnen, sodass wir das Systemgewicht von WonderLand auf bis zu 100 Gramm minimieren können, was die Leistung der Drohne fast nicht beeinträchtigt. Wenn wir auch eine dazugehörige Prozessoreinheit bereitstellen müssen, bleibt das Gewicht des Systems unter 250 Gramm, was in der von uns derzeit fokussierten Drohnenklasse mit einem Startgewicht bis zu 25 Kilogramm ebenfalls nicht sonderlich ins Gewicht fällt.

Funktioniert WonderLand eigentlich auch, während sich die Drohne horizontal bewegt? Oder nur im Hover-Mode?

Das WonderLand-System ist ein vertikales Detektionssystem, das für Schwebeflug, vertikale Bewegungen und relativ langsame horizontale Bewegungen ausgelegt ist. Es ist dafür gedacht, den Bereich unterhalb der Drohne zu detektieren und freie Areale für eine Landung zu erkennen, diese präzise durchzuführen und dabei auf plötzliche Ereignisse sicher reagieren zu können. Zudem verfügt WonderLand über Modes für bodennahe Missionen wie zum Beispiel Anlieferungen per Seilwinde oder BVLOS-Inspektionen.

Sie haben es angesprochen: Was passiert, wenn während des automatischen Landevorgangs ein Mensch, ein Tier oder auch ein Auto in der ausgewählten Landezone auftaucht?

Das WonderLand-System analysiert ständig den Landebereich sowie den gewählten Landeplatz auf statische und dynamische Hindernisse. Wenn etwas oder jemand in der definierten Sicherheitszone auftaucht, wählt WonderLand gemäß der vom Drohnenbetreiber vorab festgelegten Richtlinie entweder einen anderen verfügbaren Landeplatz oder bricht den Landevorgang ab. Dabei stehen dem Operator verschiedene Konfigurationsszenarien zur Verfügung. Zum Beispiel Abbruch der Landung, automatischer Schwebeflug oder das Aufsteigen in eine sichere Flughöhe und ein erneuter Landungsversuch, nachdem die Landezone wieder frei ist. 

Kann das WonderLand-System denn aus mehreren möglichen Landeplätzen den besten auswählen? Also zum Beispiel entscheiden, ob auf dem Dach eines Hauses oder dem Garten daneben gelandet wird? Und wofür würde es sich entscheiden?

Auch das hängt davon ab, welche Voreinstellungen der Drohnenbetreiber wählt. Wenn nicht im Voraus ein Landebereich definiert wurde, wählt das System den besten verfügbaren Platz. Die Entscheidung basiert einzig auf den physikalischen Gegebenheiten des Areals, da gibt es keine vorherige Kategorisierung.

Mit WonderLand bieten Sie eine Lösung für die vertikale Umgebungsüberwachung an, das Thema horizontale Detektion steht noch auf Ihrer To-do-Liste. Was sind hierbei die größten Herausforderungen und wie lange wird es voraussichtlich dauern, diese zu bewältigen?

Wir haben uns zunächst mit Priorität auf das Thema vertikale Detektion konzentriert, da es sowohl für kommerzielle Drohnenflüge als auch Notfalleinsätze von herausgehobener Bedeutung ist. Nicht zuletzt ist es entscheidend dafür, die Rentabilität entsprechender Geschäftsmodelle zu erhöhen, in dem Autonomie gesteigert und die Anzahl der Mitarbeiter reduziert wird, die zum Betrieb einer Drohnenflotte erforderlich sind. Die Entwicklung einer Technologie für das horizontale Situationsbewusstsein ist Teil der Roadmap von Wonder Robotics. Aktuell arbeiten wir intensiv an der Entwicklung unseres HoverSafe-Systems, ein „Detect & Avoid“-System für den Urban-Air-Mobility-Markt, das insbesondere für die Geschwindigkeiten im Schwebeflug sowie kurze und mittlere Reichweiten gedacht ist. Das System scannt den Bereich um das UAS, um vor allem während Starts- und Landungen potenzielle Risiken zu erkennen. Außerdem wirkt es natürlich auch vertikal und stellt sicher, dass die Landezone frei ist. HoverSafe wird sowohl als Assistenzsystem für manuelle Steuerung als auch zur Steigerung des Autonomiegrads von Drohnen angeboten werden.

 

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