Warum die Drone-Economy den Frauenanteil in der Branche erhöhen sollte

Gedanken zum internationalen Frauentag

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    Der erste internationale Frauentag fand 1911 statt. 1975 legten die Vereinten Nationen den 08. März als „Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden“ fest. Seitdem wurden zwar Fortschritte erzielt, vollständige Gleichberechtigung und eine Gesellschaft ohne geschlechtsspezifische Diskriminierung sind jedoch noch ein gutes Stück entfernt. Doch gerade für Wirtschaftszweige wie die UxS-Industrie wäre eine stärkere Förderung von Frauen nicht nur moralisch richtig, sondern auch wirtschaftlich vernünftig.


    Dieser Beitrag ist erstmals in der Drones-Ausgabe 5/2024 erschienen. Zum Weltfrauentag 2026 veröffentlichen wir ihn – frei zugänglich – auf unserer Website.


    Viel wird über regulatorische Hürden oder öffentliche Akzeptanz diskutiert, wenn es um die größten Hemmnisse für die Weiterentwicklung der Drone-Economy geht. Doch wie in vielen anderen Wirtschaftszweigen auch, ist der Fachkräftemangel eine nicht minder bedeutende Herausforderung. Dabei liegt ein Lösungsansatz auf der Hand. Anstelle mit anderen Playern um vorhandene „Ressourcen“ zu konkurrieren, sollte die UAS-Industrie größere Anstrengungen unternehmen, den Frauenanteil in der Branche zu erhöhen. 

    Laut einer vom Verband Unbemannte Luftfahrt (VUL) im Jahr 2023 vorgelegten Studie beschäftigen sich alleine in Deutschland bereits gut 15.000 Menschen in ihrem Beruf schwerpunktmäßig mit Drohnen. Doch es könnten schon deutlich mehr sein, suchen viele Unternehmen doch händeringend nach Personal. Und der Fachkräftemangel ist bei Weitem kein Problem, das sich auf die deutsche Drone-Economy beschränkt. Das Defizit an qualifizierten Arbeitskräften betrifft die UAS-Industrie weltweit und stellt somit eine Herausforderung für die Entwicklung der Branche dar. 

    Talente gesucht

    Ein Problem, das die Entwicklung des Wirtschaftszweiges allerdings bereits seit Jahren beeinträchtigt. Schon im Jahr 2019 stellte die Computing Technology Industry Association (CompTIA), ein internationaler Branchenverband der IT-Industrie mit Sitz in den USA, in ihrer „Drone Market Study“ fest, dass 90 Prozent der Unternehmen, die UAS-Dienstleistungen oder dazugehörige Produkte und Services anbieten, Schwierigkeiten haben, Positionen im Zusammenhang mit dem Geschäftsfeld Drohnen zu besetzen. Der Bericht hebt zudem auch hervor, dass „die Innovation die Ausbildung schnell überholt“, wodurch es für Unternehmen immer schwieriger werde, Talente zu finden, um spezialisierte Positionen besetzen zu können. 

    Durch spezielle Angebote für Mädchen und Frauen können Berührungsängste gegenüber technischen Themen abgebaut und Talente frühzeitig gefördert werden

    Laut der jährlich von der US-Luftaufsichtsbehörde FAA herausgegebenen „U.S. Civil Airmen Statistics“ waren im Jahr 2023 insgesamt 30.935 Drohnenpilotinnen in den USA registriert. Ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022 (24.293). Bezogen auf die Gesamtzahl sind das jedoch nur 8,39 Prozent aller Registrierungen (2022: 7,9 Prozent), worauf die bekannte US-Journalistin Sally French („The Drone Girl“) in ihrer Bewertung der FAA-Zahlen hinwies. Ein kleines Beispiel, das exemplarisch dafür steht, dass die Drohnenwirtschaft – wie zahlreiche andere Technologiebranchen – mit Blick auf die Belegschaft eindeutig männlich dominiert ist. Was gleichzeitig einen Teil des Problems und einen veritablen Lösungsansatz darstellt. 

    Eine Frage der Vernunft

    Frauen für die UAS-Branche zu gewinnen und in dieser zu halten, ist daher nicht „nur“ eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit. Es ist vor allem eine handfeste Notwendigkeit. Der Fachkräftemangel in der Drohnenbranche wirkt sich direkt auf deren Fähigkeit aus, innovativ zu sein, zu expandieren und die wachsenden Anforderungen der Kundschaft zu erfüllen. Und je größer die Probleme der Branche sind, das Tempo des technologischen Fortschritts hochzuhalten sowie die Nachfrage bedienen zu können, desto geringer ist die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber traditionellen Technologien. Was das Wachstum der Branche schlussendlich spürbar behindern könnte. 

    Darüber hinaus kann der Mangel an Fachkräften die Qualität und Zuverlässigkeit von Dienstleistungen und Produkten beeinträchtigen. Der Mangel an qualifiziertem Personal führt zu Verzögerungen bei Wartungs- und Reparaturarbeiten, was zu längeren Ausfallzeiten, geringerer Effizienz und schließlich gar zu verminderter Wettbewerbsfähigkeit führen könnte. Dies kann wiederum das Vertrauen der Kundschaft untergraben und die weitere Etablierung der Drohnentechnologie behindern. 

    Die Vorteile der Diversität

    Die Anzahl der Frauen in der Drone-Economy zu erhöhen, kann also erhebliche Vorteile mit sich bringen. Und das sowohl für die einzelnen Unternehmen als auch für die Branche als Ganzes. Teams mit höherer Diversität sind nachweislich innovativer, kreativer und besser in der Lage, komplexe Probleme zu lösen. Außerdem spiegeln sie die Gesellschaft im Allgemeinen und die (potenzielle) Kundschaft im Besonderen wider, was zu einem besseren Verständnis der Bedarfe und zur Entwicklung maßgeschneiderter Lösungen führt. Dies kann die Zufriedenheit und Loyalität der Kundschaft steigern und die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der Branche erhöhen.

    Elena Buenrostro versteht sich selbst als „DEI Leader“, engagiert sich aktiv für  Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion (DEI = Diversity, Equity and Inclusion). Die Gründerin der Netzwerke „Women who Drone“ und „Girls who Drone“ beschäftigt sich intensiv damit, den Boden für Mädchen und Frauen in der Drone-Economy zu bereiten 

    Um die quantitative Kluft zwischen den Geschlechtern in der UAS-Industrie tatsächlich signifikant zu verringern, müssen verschiedene Hindernisse beseitigt werden, mit denen Frauen beim Einstieg in die Drone-Economy und auf dem anschließenden Karriereweg konfrontiert sind. 

    Information: Viele junge Frauen wissen gar nicht, welche Karrieremöglichkeiten in der Drohnenbranche bestehen. Häufig fehlt es ihnen zudem an (weiblichen) Vorbildern sowie Mentorinnen und Mentoren, die ihnen entsprechende Wege aufzeigen

    Vorurteile: Frauen sind in Technologiebranchen und anderen traditionell männlich geprägten Industrien oft mit (unterbewussten) Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert, die ihren beruflichen Aufstieg behindern oder sie bereits davon abhalten, sich überhaupt in diesen Bereichen zu engagieren.

    Bildungschancen: In einigen Teilen der Welt und in verschiedenen kulturellen Kontexten haben Mädchen und Frauen tendenziell einen schlechteren Zugang zu Schulungs- und Ausbildungsprogrammen. Und auch in westlichen Industrienationen besteht im Bereich MINT-Förderung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zuweilen Nachholbedarf.

    Um mehr Frauen für eine berufliche Laufbahn in der UAS-Wirtschaft zu gewinnen und auf diese Weise aktiv Maßnahmen gegen den virulenten Fachkräftemangel ergreifen zu können, sind sämtliche Stakeholder gefragt. Insbesondere natürlich Unternehmen und Verbände. Vor allem in spezifischen Kooperationen liegt einiges Potenzial, um nachhaltige Impulse zu setzen. 

    1. Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen, um jungen Frauen Drohnentechnologie und die entsprechenden Berufszweige vorzustellen. So veranstaltete beispielsweise das Netzwerk „Girls Who Drone“ unter anderem einen Drohnen-Workshop für ein MINT-Programm der Columbia University. In Deutschland ging die Zusammenarbeit zwischen dem proTechnicale-Programm, dem Zentrum für angewandte Luftfahrtforschung und der DroneMasters Academy in eine ähnliche Richtung.
    2. Organisation von Förderprogrammen und speziellen Netzwerkveranstaltungen, die interessierte Frauen mit erfahrenen Fachleuten aus der Drone-Economy zusammenbringen.
    3. Kooperationen zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Fachverbänden, um umfassende Programme und Initiativen zu entwickeln, die das Qualifikationsniveau und die Geschlechtervielfalt fördern.
    4. Sensibilisierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Unternehmen, um Einstiegshürden zu senken und vorhandene (unterbewusste) Vorurteile gegenüber Frauen in Technologieberufen abzubauen.

    Indem die Drone-Economy also Anreize für Mädchen und Frauen schafft, sich beruflich im Bereich der UAS-Technik zu engagieren, können Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften ein enorm großes, bislang jedoch vielfach noch weitgehend ungenutztes Reservoir an Talenten erschließen. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, Recruiting- und Bindungsstrategien sowie die Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und Industriepartnern können Drohnenunternehmen ein integratives und unterstützendes Umfeld schaffen, das es Frauen ermöglicht, in diesem aufstrebenden Wirtschaftszweig erfolgreich zu sein. Und somit einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Drone-Economy nachhaltig als globale Tech-Branche zu etablieren.   


    Fotos: Girls Who Drone






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