Bundesmarine bekundet Interesse am Flughafen Schwerin-Parchim

Drohnen-Basis in Mecklenburg-Vorpommern?

Er sollte ein Frachtdrehkreuz zwischen Asien und Europa werden und mit einer Shoppingmall Touristen anlocken: der Flugplatz Schwerin-Parchim. Verschiedene Investoren hatten große Pläne mit dem ehemaligen Militärfluggelände mit seiner 3.000-Meter-Start- und -Landebahn und der 24-Stunden-Fluggenehmigung. Nun könnte er wieder für seine ursprüngliche Aufgabe eingesetzt werden. Denn die Bundesmarine hat Interesse an dem Standort für die Stationierung von Flugzeugen und Drohnen bekundet.

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    Schon 2019 hatte der letzte Eigentümer des Flughafens Schwerin-Parchim, Jonathan Pang, einen Insolvenzantrag gestellt. Der chinesische Investor hatte bereits einen neuen Tower bauen lassen und wollte eine Art Freizeitpark mit Shoppingmall direkt angrenzend an das Flugplatzgelände errichten lassen. Seitdem das Geld ausging, ist auf dem Flugplatz nicht mehr viel passiert. Auf der Start- und Landebahn werden hunderte Autos zwischengelagert, teilweise nutzen Unternehmen das weitläufige Gelände für Testfahrten.

    Bundesmarine sucht neuen Standort

    Nun wurde bekannt, dass die Bundesmarine möglicherweise Interesse an dem Flugplatz hat. Das berichtete Parchims Bürgermeister Dirk Flörke (CDU) gegenüber dem NDR. Auch eine Sprecherin des Presse- und Informationszentrums der Marine bestätigte das auf Anfrage der Redaktion des Nordkuriers.

    Hintergrund des Vorstoßes ist ein schlichtes Platzproblem. Die Bundesmarine sucht neben dem bisher einzigen Standort in Nordholz ein weiteres Gelände für die Stationierung von Marinefluggeräten, darunter Drohnen, die zur Seeüberwachung eingesetzt werden sollen. Der Flugplatz Schwerin-Parchim bietet mit seiner Infrastruktur und der Lage optimale Voraussetzungen dafür.

    Die militärische Nutzung des Flughafens Schwerin-Parchim hat eine lange Tradition. Besonders im NS-Regime hatte der Standort eine erhebliche strategische Bedeutung. Im Jahr 1937 wurde das Areal reaktiviert, als die deutsche Luftwaffe dort einen militärischen Flugplatz errichtete. Der Standort Parchim entwickelte sich in der Folge zu einem zentralen Knotenpunkt, der sowohl Luftlandetruppen als auch Nachtjägerstaffeln beheimatete. Damit war es im April 1945 abrupt vorbei, als die US-Luftwaffe den Flugplatz angriff und ihn weitgehend zerstörte. Bereits ab 1949 wurde der wiederhergestellte Flugplatz von sowjetischen Truppen als strategischer Stützpunkt genutzt. Im Zuge dieser jahrzehntelangen Nutzung erfuhr der Standort ab 1973 eine Umfunktionierung und diente fortan primär Hubschraubereinheiten als Basis. Die sowjetischen Streitkräfte zogen schließlich im Jahr 1992 endgültig von dem Gelände ab.


    Foto: AdobeStock – Angelika Bentin






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