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Blohm+Voss startet Produktion von Überwasser-Drohnen

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    Die Hamburger Werft Blohm+Voss erschließt nach der Übernahme durch den Rheinmetall-Konzern ein neues Geschäftsfeld im Bereich der unbemannten Überwassersysteme. In Kooperation mit einem britischen Partner sollen künftig hunderte Hochgeschwindigkeits-Drohnen pro Jahr produziert werden. Das Vorhaben verspricht zahlreiche neue Arbeitsplätze und markiert den Einstieg in maritime Autonomie, während gleichzeitig Fragen zu zukünftigen Exportstrategien aufgeworfen werden.

    Die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss plant den Einstieg in die Fertigung unbemannter Überwasserdrohnen. Auf dem Werftgelände finden bereits Testfahrten mit Prototypen statt, die eine Länge von rund 8 Meter aufweisen. Diese kompakten Boote erreichen Geschwindigkeiten von rund 90 Kilometer pro Stunde. Die Steuerung der Systeme erfolgt aktuell über eine Fernbedienung per Joystick, wobei die Steuerung wahlweise von Land oder von einem anderen Schiff aus erfolgen kann.

    Die Einsatzszenarien für diese Einheiten sind vielfältig und umfassen vorrangig Überwachungsoperationen. Laut Tim Wagner, Chef der Marinewerftengruppe-NVL, die seit kurzer Zeit zum Rheinmetall-Konzern gehört, können die Boote jedoch auch mit Waffensystemen bestückt werden. Hierbei orientiert man sich an aktuellen Entwicklungen aus dem Ukraine-Krieg, in dem ähnliche unkonventionelle Systeme bereits erfolgreich eingesetzt werden.

    400 neue Arbeitsplätze in Hamburg

    Für die Realisierung des Projekts arbeitet Blohm+Voss mit dem britischen Unternehmen Kraken-Technology zusammen. In der Anfangsphase ist die Produktion von etwa 200 Einheiten pro Jahr vorgesehen. Werft-Chef Nils Moser sieht in dieser Kooperation die Chance, den Standort Hamburg für eine völlig neue Technologiesparte zu öffnen. Bei entsprechender Nachfrage lässt sich die Fertigung massiv ausweiten.

    Im Dreischichtbetrieb könnte die Kapazität auf bis zu 1.000 Boote jährlich gesteigert werden. Ein solcher Ausbau hätte zudem positive Auswirkungen auf den lokalen Arbeitsmarkt, da die Schaffung von bis zu 400 neuen Arbeitsplätzen als möglich erachtet wird. Für den Wirtschaftsstandort Hamburg bedeutet diese Entwicklung einen technologischen Aufschwung in einem wachsenden Marktsegment.

    Parallel zur aktuellen Produktion wird die technologische Weiterentwicklung vorangetrieben. Ein spezieller Versuchsträger des Rheinmetall-Konzerns dient der Erforschung vollständig autonomer Drohnen. Trotz dieser Fortschritte sieht das Unternehmen keinen Widerspruch zum bestehenden Geschäft mit bemannten Marineschiffen. Tim Wagner prognostiziert, dass große Kampfschiffe noch mindestens 20 bis 30 Jahre mit Besatzung betrieben werden, da sich die Einsatzgebiete der kleinen Drohnen deutlich von denen der bemannten Flotte unterscheiden.

    Allerdings begleiten auch kritische Stimmen das Vorhaben. Die Entwicklung von Maschinen und künstlicher Intelligenz, die potenziell tödliche Einsätze durchführen können, gilt als ethisch sensibel. Professor Michael Brzoska, Friedensforscher an der Universität Hamburg, erkennt zwar die Notwendigkeit eines gesteigerten Rüstungsengagements für die Bundeswehr an, warnt jedoch vor einer aggressiveren Exportstrategie der Industrie.

    Autonomie als Ende der klassischen Marine?

    Rheinmetall bestätigt bereits das Interesse internationaler Kunden an den neuen Systemen. Neben der Bundeswehr zeigen auch Staaten wie Brunei oder Ägypten Interesse an den unbemannten Booten. Kritiker fordern daher eine genauere Untersuchung des Engagements der Rüstungsindustrie in diesem Bereich, da der gesellschaftliche Stellenwert von Verteidigungstechnologien zwar gestiegen ist, die Export-Frage jedoch weiterhin spannungsgeladen bleibt.

    Der Einstieg von Blohm+Voss in die Serienfertigung von Überwasserdrohnen markiert einen signifikanten Wendepunkt für die maritime Drohnenindustrie. Die Transformation einer klassischen Werft hin zu einem Produktionszentrum für unbemannte Systeme zeigt, dass die Skalierung von Drohnen-Technologien nun auch den maritimen Sektor in industriellem Maßstab erreicht. Zudem unterstreicht die Entwicklung von autonomen Versuchsträgern den Trend zur vollständigen Systemautonomie, was die Anforderungen an Sensorik und Software-Integration in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen wird.

    Blohm+Voss im Netz: https://nvl.de/de/werften-und-docks/blohmvoss


    Foto: Felix Matthies, Copyright: NVL






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