Delta TechOps inspiziert Linienmaschinen mit Drohnen

Auf Tuchfühlung

Flugzeuge und UAS. Nicht unbedingt eine Liebesbeziehung. Doch beim US-amerikanischen Unternehmen Delta TechOps, einer Tochterfirma der weltweit agierenden Fluggesellschaft Delta Airlines, gehen beide Fluggeräte regelmäßig auf Tuchfühlung. Denn neben Schraubenschlüssel und Durchgangsprüfgerät kommen bei den Spezialisten in Sachen Flugzeugwartung mittlerweile auch Drohnen zum Einsatz, mit denen die Außeninspektion von Linienmaschinen effizienter und zuverlässiger wird.

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Unter den weltweit 90.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der US-amerikanischen Fluglinie Delta gibt es viele, ohne deren Arbeit hinter den Kulissen Maschinen der Airline am Boden bleiben müssten. Eine von ihnen ist Emma Galarza. Die leitende Ingenieurin bei Delta TechOps gehört zu denjenigen, die den innovativen Ansatz der Servicegesellschaft, die Außeninspektion großer Linienflugzeuge mit Drohnen effizienter und vor allem auch sicherer zu machen, von der Theorie in die Praxis bringen. Wenn bisher am Seitenleitwerk beispielsweise nach Lackschäden gesucht werden sollte, dann musste das Flugzeug hangiert und mit einer riesigen Wartungsbühne Schritt für Schritt abgefahren werden. Das soll nun bald der Vergangenheit angehören.

Automatisierte Lösung

In der wuchtigen Weite eines Delta-Wartungshangars, nur wenige Schritte von den belebten Start- und Landebahnen des Flughafens von Atlanta entfernt, hebt deshalb eine Drohne zu einem Testflug ab. Die Drohne steigt und schwebt vorsichtig an das riesige Delta-Logo auf dem 10 Meter hohen Seitenleitwerk heran. Schon kurz danach beginnt die Inspektion eines A350-900, Deltas hochmodernem Flaggschiff. Die Aufsicht über die Drohne übernimmt dabei Emma Galarza, einer der wenigen UAS-Pilotinnen und -Piloten bei Delta TechOps. Sie ist Mitglied des Technologieentwicklungsteams, das eine automatisierte Lösung erprobt, bisher aufwändig manuell durchgeführte Arbeiten künftig effizienter erledigen zu können. Ohne die Qualität der Ergebnisse negativ zu beeinflussen, versteht sich.

Der eigene Anspruch von Delta ist es, den Kunden einen sicheren und zuverlässigen Flugbetrieb zu bieten, begleitet von einem Service mit gehobenem Flair. Die Fähigkeit, dieses Versprechen einzulösen, hängt maßgeblich von den über 90.000 Mitarbeitern ab, die weltweit für die Airline tätig sind. Die größte Außenwirkung der Airline haben dabei die öffentlich sichtbaren, also die Piloten, das Kabinenpersonal oder auch die Mitarbeiter an den Check-In-Schaltern in den vielen Verkehrsflughäfen. Aber Zehntausende im gesamten Personalstab, wie zum Beispiel Galarza, arbeiten hinter den Kulissen, um sicherzustellen, dass Delta für alle Passagiere eine sichere und vertrauenswürdige Fluglinie ist und bleibt.

Galarza war schon immer von neuen Technologien fasziniert und davon, wie menschliche Interaktion in deren Design berücksichtigt wird. Schon während ihres Studiums war sie von der Arbeit bei Delta TechOps begeistert und es war ihre Idee, eine innovative Technik in der täglichen Arbeit der Firma auszuprobieren. „Ich war schon immer neugierig darauf, wie und warum Dinge funktionieren, aber durch die Arbeit für Delta habe ich meine Leidenschaft für die Luft- und Raumfahrt entdeckt“, erzählt Galarza. Bei Delta untersuchte die Ingenieurin, welche fortschrittlichen Technologien für den Einsatz bei der Fluggesellschaft angepasst werden könnten und wie man sie konkret nutzen könnte. Der mögliche Einsatz von Drohnen war dabei ein Schwerpunkt.

Enorme Zeitersparnis

Die Inspektion eines Verkehrsflugzeugs auf Schäden oder Mängel ist zeitaufwändig, mühsam und erfordert viel Liebe zum Detail. Bei dieser Arbeit ist es traditionell erforderlich, dass ein scharfes menschliches Auge jeden Zentimeter der Außenseite eines Flugzeugs sorgfältig untersucht. Das bedeutet, dass die Mitarbeiter bei Inspektionen oft stundenlang auf einem Flugzeug oder angeschnallt hoch über einem Flugzeug verbringen müssen. Die Inspektion eines Großraumjets wie dem Airbus A350-900, der fast 67 Meter lang ist und an seiner höchsten Stelle die Höhe eines vierstöckigen Gebäudes hat, kann bis zu 16 Stunden dauern. Eine Drohne kann hochauflösende Bilder des Flugzeugs aufnehmen, die die Ingenieure am Boden in nur 90 Minuten auswerten können. Nicht nur eine unglaubliche Prozessbeschleunigung, sondern gleichzeitig auch eine Erhöhung der Sicherheit. Denn bei einer 16-stündigen Inspektion ist es fast zwangsläufig so, dass dem menschlichen Auge etwas verborgen bleibt. „Die Drohnen sind nicht dazu da, Fachpersonal bei Delta zu ersetzen, sondern, um diesem zu helfen“, betont Galarza.

Darüber hinaus ist das Team davon überzeugt, dass seine Arbeit das Potenzial hat, den Wartungs- und Reparaturbetrieb von Delta effizienter zu gestalten, indem es schnelle Drohneninspektionen einsetzt, um den Technikern dabei zu helfen, die richtigen Prioritäten zu setzen sowie den Zeitplan für die Flugzeugreparatur zu optimieren und so etwaige Störungen des Flugbetriebs zu verkürzen. Das TechOps-Team betreibt zwei Drohnentypen mit den Namen Reba und Dolly. Das Team hat die Drohnen so programmiert, dass sie jeden Flugzeugtyp der Delta-Flotte erkennen und jedes Flugzeug automatisch unter der Aufsicht eines Drohnenpiloten scannen können, der nur im Notfall die Kontrolle übernimmt.

Ziele für die Zukunft

Die Airline hat von den Aufsichtsbehörden die Genehmigung erhalten, die Drohnen in den Wartungseinrichtungen in Atlanta, Detroit und Minneapolis zu fliegen. Indoor und auch outdoor. Aktuell jedoch mit der genehmigungsrechtlichen Einschränkung, dass sich die Inspektionsarbeiten zunächst nur auf Lackfehler beschränken dürfen. Komplexere Aufgaben wie beispielsweise die Prüfung von Antennenanlagen oder anderen flugsicherheitsrelevanten Anbauteilen müssen weiterhin manuell von ausgebildetem Fachpersonal erledigt werden. Doch das soll nicht so bleiben.

Das Team hat bereits erste Testflüge außerhalb der Lackinspektion durchgeführt. Das Ganze in der Hoffnung, die Genehmigung der zuständigen Aufsichtsbehörden für die Ausweitung der Drohneneinsätze in Wartung und Inspektion zu erhalten. Aktuell konzentriert sich ein Großteil der Arbeit von Galarza daher auf die Entwicklung und Implementierung der Softwaresteuerung, um die hochauflösenden Kameras der Drohne für andere Inspektionsaufgaben verwenden zu können. Nicht zuletzt geht es auch um das Anlernen neuer Bauteilgruppen, die an verschiedenen Flugzeugen auch unterschiedlich aussehen, um einer Drohne zu noch mehr Einsatzoptionen zu verhelfen.

„Als Ingenieurin ist es eine einzigartige Gelegenheit, mit den Technikern im Hangar zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen, denn viele verfügen über jahrzehntelange Erfahrung“, sagt Emma Galarza. Für sie sind Drohnen und diese speziellen Einsatzszenarien erst der Anfang ihrer Arbeit bei der Fluggesellschaft. Sie ist schon jetzt auf der Suche nach der nächsten innovativen Technologie, um den Werkzeugkasten in der Flugzeugwartung bei Delta noch zu erweitern.

Lese-Tipp:
Dieser Beitrag ist in Ausgabe 1/2024 des Magazins Drones erschienen. Diese und alle weiteren verfügbaren Ausgaben sowie attraktive Abo-Angebote finden sich unter www.drones-magazin.de/shop

Text: Jens Rosenow
Bild: Delta TechOps



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