16 Partner auf 5 Nationen

Nordic Drone Initiative: Die skandinavische Drone-Economy organisiert sich

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Die Nordic Drone Initiative vereint 16 Partner aus fünf Nationen

Sympathische Menschen, lebendige Städte, dünn besiedelte Regionen sowie atemberaubende Naturerlebnisse. Wenn es um Skandinavien geht, dann kommen sicher vielen Menschen solcherlei Assoziationen in den Sinn. Oder auch Bullerbü, Plastikbausteine und Möbelhäuser. Doch die Region im hohen Norden Europas ist natürlich weit mehr als das. Unter anderem tummeln sich hier auch zahlreiche Unternehmen und Institute, die sich mit dem Thema Drohnennutzung beschäftigen. Um diese besser und vor allem effizienter zu vernetzen, wurde die Nordic Drone Initiative (NDI) gegründet. Ein zunächst auf zwei Jahre angelegtes Projekt unter Federführung des RI.SE Research Institute of Sweden.

„Die NDI betrachtet die Drohnenindustrie in Skandinavien aus einem übergeordneten Blickwinkel, um sowohl die kurz- als auch die langfristige Etablierung drohnenbasierter Anwendungen zu beschleunigen“, erklärt Tor Skoglund (Foto), Senior Research Project Manager beim RI.SE in Göteborg. „Dabei wenden wir uns an wichtige Player aus dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft, um ein partnerschaftliches Netzwerk aufzubauen.” Derzeit engagieren sich bereits insgesamt 16 Einrichtungen aus Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island in der Nordic Drone Initiative. Die gemeinsame Hoffnung ist, dass man auf diese Weise zum einen den spezifischen Gegebenheiten der Region begegnen und sich zum anderen besser gegenüber den starken Märkten in Zentraleuropa, den USA und insbesondere auch Asien behaupten kann.

„In wirtschaftlicher Hinsicht haben die nordischen Länder im Vergleich zu Mitteleuropa und anderen großen Wirtschaftsräumen wie Asien und den USA einen relativ geringen Marktanteil, insbesondere Asien ist heute der größte Drohnenmarkt der Welt“, weiß Tor Skoglund. Er verweist allerdings im selben Atemzug darauf, dass Skandinavien auf ein dynamisches Industrieumfeld verweisen könne, das sehr offen für die Einführung innovativer Mobilitätslösungen sei. Neben gesellschaftlichen und regulatorischen Gemeinsamkeiten gibt es noch einen weiteren Standortfaktor, den man im Rahmen des NDI-Projekts analysieren und auch nutzen wolle, um bestmögliche Lösungsansätze für die skandinavische Drone-Economy zu entwickeln: das Wetter. „In Skandinavien haben wir mit Blick auf die Drohnennutzung einige gleichermaßen gemeinsame wie einmalige Rahmenbedingungen“, ist Skoglund überzeugt. „Ganz offensichtlich ist das Klima eine Gemeinsamkeit, Drohnen und nicht zuletzt Batterien müssen mit Kälte und zuweilen rauem Wetter zurechtkommen.” 

Darüber hinaus bieten die dünn besiedelten, ländlichen Gebiete hervorragende Bedingungen für die Etablierung von Warentransporten per Drohne. Denn neben der langfristig anzustrebenden Personenbeförderung ist insbesondere der Einsatz von unbemannten Flugsystemen bei der Zustellung und Abholung von Medikamenten und anderen kleineren oder mittelgroßen Gütern ein Szenario, das die NDI-Partner im Blick haben. So könnten beispielsweise in bedeutenden Teilen Norwegens und Finnlands Wege und Lieferzeiten verkürzt werden, wenn anstelle von Straßen-basierten Transporten rund um Seen und Fjorde herum der Luftweg genutzt wird. Dass das Ganze auch zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen beitragen könnte, ist ein sowohl willkommener als auch bewusst kalkulierter Nebeneffekt.

„Gegenwärtige kommerzielle Logistikanwendungen für Drohnen konzentrieren sich auf Pakete mit 2 bis 5 Kilogramm Gewicht. Aber schon sehr bald werden schwerere Waren bis zu 100 Kilogramm kommerziell rentabel zu befördern sein“, ist Tor Skoglund überzeugt. „Aber es gibt natürlich auch andere Dienstleistungen wie den Personentransport, die intensiv diskutiert werden. Die bedeutendsten Anwendungsfälle zu identifizieren, die den Anforderungen der nordischen Länder besonders gut entsprechen und enorme Auswirkungen auf unsere Gesellschaft haben könnten, sowie die Beschleunigung ihrer Umsetzung durch Innovationen in Technologie, Regulierung und Ökonomie sind die Hauptziele der Nordic Drone Initiative.”

Abbildung: Katla Aero